02. August 2014 – 1. Gay Pride Weekend in Bad Tölz

Tölz mit Dominik Krause

Mit unserem Münchner Stadtrat Dominik Krause

Ich freue mich sehr  darüber, dass ich auf dem 1. Gay Pride Weekend in Bad Tölz ein Grußwort halten darf:

Hallo und guten Tag Ihnen und Euch Allen!
Herzlichen Dank an Dich lieber Peter Priller und an die queere Community in Bad Tölz für die Einladung!
Ich bin in letzter Zeit öfter hier in Bad Tölz gewesen, weil  mein bester Freund und sein Lebensgefährte hier in einem ziemlich bürgerlichen Viertel ein Haus bauen Das wäre vor 20 Jahren wahrscheinlich noch nicht ganz so einfach gewesen Auch aus diesem ganz persönlichen Grund freue ich mich sehr heute hier ein Grußwort zu sprechen.

Daran habt Ihr von SchuTz e.V. einen ganz erheblichen Anteil mit Eurer Arbeit hier vor Ort. Euch möchte ich ganz herzlich zum 20. Geburtstag gratulieren und Euch Allen zum ersten CSD, zum ersten Gay Pride Weekend in Bad Tölz beglückwünschen. Das erste Mal ist ja immer etwas Besonderes, etwas Mutiges. Und ich finde es großartig, dass Ihr das wagt!
Ihr habt hier in Tölz schoneinen weiten Weg zurückgelegt und viel erreicht. Aber bevor wir Eure Erfolge feiern, möchte ich noch einen kurzen – zugegebenermaßen persönlich gefärbten Blick – auf die aktuelle Situation von Schwulen, Lesben und Transgender werfen.Tölz 1 Wir Grüne setzen uns schon Zeit unseres Bestehens für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen ein.
Für uns gibt es keine Liebe 2. Klasse und mir fehlt völlig und absolut das Verständnis, wenn ich erlebe, dass links und rechts von mir im Bundestag der überwiegende Teil der Abgeordneten von Union und SPD bspw. gegen die völlige Gleichstellung im Adoptionsrecht stimmen. Immer wieder braucht es das Bundesverfassungsgericht, das die Merkel-Regierung dazu zwingt, einen weiteren Schritt in Richtung rechtlicher Gleichstellung zumachen. Und selbst dann passiert nur das Allernotwendigste. Gleichstellung in Salamitaktik – das ist unwürdig! Das ist eine Zumutung für eine freiheitliche, tolerante Gesellschaft, wie wir Grüne siewollen.

Auch ein Blick in die sogenannten Sozialen Netzwerke, zeigt, dass wir von echter Toleranz noch ein ganzes Stück entfernt sind.
Von Intoleranz zeugt es auch, wenn mir ein schwuler Kollege erzählt, dass er auf der Straße angepöbelt wurde oder ich in der Zeitung lesen muss, dass ein CDU-Bürgermeister die Abschaffung des §175 bedauert, gerade da wo eigentlich endlich Rehabilitation der einst verurteilten vonnöten ist oder auch wenn mir eine Transgender-Frau erzählt, dass sie ihren Job verloren hat.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass es anderswo leider noch schlimmer ist. Russlands Putin, der Schwule als Kinderschänder abstempelt und zahlreiche Afrikanische und/oder muslimische Staaten, in denen Homosexualität noch oder wieder mit der Todesstrafe geahndet wird.
Die Menschen dort vor Ort brauchen unsere Solidarität und ich habe mich wirklich gefreut, dass mein Parteikollege Werner, der heute auch mit hier ist, und unsere Münchner Stadträtin Lydia Dietrich – um stellvertretend nur zwei Personen zu nennen, die mir persönlich bekannt sind – in Kiev waren, um der queeren Community vor Ort zur Seite zu stehen, in ihrem Bemühen um einen eigenen CSD.
Und selbst in der Wiege unserer modernen Bürgerrechte, in Frankreich, einem der wichtigsten Länder der EU, kämpfen – nicht zuletzt junge – religiöse Fundamentalisten und Rechtsnationale gegen jede Gleichstellung. In Ungarn schaffen Victor Orban und die Jobbik ein Klima der Intoleranz und Angst.

Ich wiederhole mich: Es gibt keine Liebe 2. Klasse und ich setze mich dafür ein, dass alle die gleichen Rechte haben, egal in der welcher Kombination sie zusammen leben wollen und egal welchen Geschlechts sie sind. Genau in solch einer Welt möchte ich leben und wir haben schon viele Schritte in die richtige Richtung gemacht.
Vielleicht haben wir nach einem schwulen Oberbürgermeister in Berlin und einem schwulen Außenminister demnächst eine lesbische, gerne auch grüne, Kanzlerin. Es ist wichtig, dass – wie hier in Tölz – engagierte Menschen zusammen stehen und sich für Akzeptanz in der Gesellschaft und gleiche Rechte einsetzen. Und die CSDs sind ein Zeichen dafür.

Um echte Gleichstellung zu erreichen wollen wir:

  • die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Es wird Zeit, dass homosexuelle Paare wie andere wertgeschätzt werden.
  • das gemeinschaftliche Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Es wird Zeit, dass anerkannt wird, dass Kinder liebevolle Eltern brauchen und dass das auch zwei Papas oder zwei Mamas sein können.
  • einen nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie.Es wird Zeit, dass alle verstehen, dass wir in einer bunten, vielfältigen und toleranten Gesellschaft leben wollen.
  • eine Ergänzung der bestehenden Antidiskriminierungs-regeln auch auf EU-Ebene. Es wird Zeit,dass Lesben,Schwule+Transgender auch in Osteuropa vor Diskriminierung geschützt werden.
  • eine Stärkung der Rechte von trans- und intersexuellen Menschen. Es wird Zeit, dass Trans- und Intersexuelle nicht mehr in Raster gepresst werden und ihre Menschenrechte geachtet werden.

Es freut mich sehr, dass die bunte Vielfalt jetzt heute hier mit Euch Allen auch in Bad Tölz sichtbar ist. Ihr könnt auf mich und auf uns Grüne zählen – im Bund, im Land, in den Gemeinden. Auch in Bad Tölz und im Oberland!

Noch einmal großen Dank an SchuTz e.V. und viel Spaß beim Feiern uns Allen! “Happy  Pride“  in Bad Tölz!

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