08. Dezember 2012 – Rede zur Listenaufstellung

121208 ListenaufstellungLiebe Freundinnen und Freunde,

ich möchte Euch meine persönliche Giftliste vorstellen: Putzprämie! Betreuungsgeld! Flexiquote! Zuschussrente!
Was der Frauenministerin und dem Rest der Regierung wohl noch so alles einfällt …
Dabei kann ich einfach nicht ruhig zusehen und ‚Nichts-Tun‘ war für mich noch nie eine Option. Das hat mich in die Politik gebracht. Und Ihr seid meine politische Heimat, mit Euch möchte ich diese Welt ein stückchen besser machen, Falsches verhindern und das Richtige erreichen.

Nach 20 Jahren in der freien Wirtschaft habe ich mich 2009 ganz bewußt entschieden, in der Politik zu arbeiten, mich einzumischen, auf der richtigen Seite, auf der Grünen Seite.
Daneben bin ich mit Leidenschaft Basismitglied, gehe mit Euch auf Demos, sammle Unterschriften und kampiere vor der Staatskanzlei und: ich bin Sprecherein der grünen Frauen auf Landes- und auf Bundesebene.

Die letzten Monate haben gezeigt, gemeinsam sind wir stark, zusammen können wir unsere Ideen und Ziele umsetzen. Meine Ideen und Ziele liegen in der Frauen- und Gleichstellungspolitik, einer DER Säulen unserer Arbeit. Frauen- und Gleichstellungspolitik heißt, ich beschäftige mich damit, in welcher Gesellschaft wir wie zusammen leben wollen. D.h. genau hinsehen, wer bei uns eigentlich genau was braucht.

Und was ich da sehe bereitet mir große Sorge. Jede 10. erwerbstätige Frau lebt in Armut und muss aufstocken. Da rollt eine Welle von Altersarmut auf uns zu. Der beste Schutz dagegen ist ein ordentlich bezahlter Job, eine eigene finanzielle Absicherung.
Wollen wir wirklich zulassen, dass zahllose Frauen im Alter in Armut leben müssen, sich die Heizung oder die neue Brille nicht leisten können?
Ihr wisst alle, was das heißt: Weg mit den Minijobs, raus aus den befristeten Arbeitsverhältnissen, rein in die Mindestlöhne.
Aber Gleichstellung heißt auch, dass Männer eine Chance auf Familie bekommen. Dabei möchte ich nicht einfach das bestehende System umdrehen und hinter jede erfolgreiche Frau einen Hausmann stellen. Ich finde, die Arbeitswelt sollte sich wieder unserem Leben anpassen.
Männer wollen Zeit für ihre Familie, sie wollen die ersten Schritte ihrer Kinder erleben, die ersten Worte hören. Aber das Gegenteil ist der Fall und das muss sich ändern.
Natürlich setze ich mich für Quoten ein, in Parteien – auch in unserer eigenen -. in Aufsichtsräten, Vorständen, den Medien und Universitäten.

Aber Frauenpolitik ist nicht nur Quote.
Wir müssen auch in internationalen Zusammenhängen unserer Verantwortung gerecht werden. Wir müssen einfordern, dass Frauen in  Krisen- und Kriegssituationen mit an den Verhandlungstischen sitzen.
Wir brauchen ein geschlechtersensibles Gesundheitssystem. Die Erkrankungen von Männern und Frauen sind oft unterschiedlich, die Symptome verschieden, die Behandlungsmethoden und die Medikation weichen voneinander
ab.
Ich will mich nicht abfinden mit sexueller Gewalt, die fast schon alltäglich ist, ich will nicht weggucken, wenn es in Behinderteneinrichtungen zu Übergriffen kommt oder damit, dass die Wiesn ein Freifahrtschein geworden ist.
Und ich will nicht akzeptieren, dass auch nur einer einzigen behinderten Mutter ihr Kind weg genommen wird, weil sie keine Hilfe bei der Betreuung bekommt.
Auch nicht abfinden will ich mich damit, dass sexistische Werbung unsere Wahrnehmung prägt. Es ist einfach ätzend, wenn Unternehmen mit prall aufgeblasenen Brüsten ohne Kopf ihre Produkte verkaufen wollen.
Und so richtig übel: Neuerdings gibt es Beauty-Salons für kleine Mädchen. Wollen wir wirklich, dass unsere kleinen Mädchen mit dem Bewusstsein aufwachsen, sie seien nicht schön genug, sollen sie ins Leben starten mit dem Bewusstsein, ein Defizit zu haben? Ich möchte, dass unsere kleinen Mädchen und Jungen zu starken, selbstbewussten Menschen aufwachsen.

Ich trete dafür ein, dass alle Menschen die gleiche Chance auf ein gutes, gerechtes Leben bekommen.
Ich setze mich dafür ein, dass alle ohne Schubladendenken, ohne Rollenklischees die gleichen Chancen haben, egal woher sie kommen, egal in der welcher Kombination sie zusammen leben wollen und egal welchen Geschlechts sie sind.
In diesem Zusammenhang sei auch gesagt: Es ist ein Unding, dass homosexuelle Asylbewerber in Bayern von Abschiebung bedroht sind, obwohl ihnen in ihren Heimatländern schwerste Strafen drohen.

Die Situation von Frauen und der Grad von Gleichstellung sind Indikatoren für den Zustand unserer Gesellschaft. Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig, lesbisch und schwul, migrantisch und heimatlich verbunden, alt und jung, weiblich, männlich und vieles dazwischen,
aber gerecht, gerecht ist sie noch nicht!

Genau deswegen mache ich Politik, deswegen möchte ich nach Berlin und deswegen bitte ich um Eure Stimme.

Herzlichen Dank

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