10. Juni 2015 – AG Demografie: Gesund alt werden am Arbeitsplatz

150608 AG Demografie zugeschnitten

Gute Laune nach unserer AG mit Beate Müller-Gemmeke, Dirk Neumann und Eva Welskop-Deffaa (v.l.)

Auch in der aktuellen Sitzungswoche habe ich zur AG Demografie unserer Fraktion geladen. Wir beschäftigten uns mit alters- und alternsgerechten Bedingungen in der Arbeitswelt. Besonderes Augenmerk legten wir auf die Aspekte

  • Junge und Alte nicht überfordern
  • Gesundheit und gesundes Arbeiten
  • Altersarmut bekämpfen
  • technischen und psychischen Arbeitsschutz angleichen
  • eine Anti-Stress-Verordnung als Teil der Sozialpartnerschaft verwirklichen.

Eva Welskop-Deffa aus dem Vorstand von ver.di, die wir als Expertin eingeladen hatten, erläuterte, dass die Erwerbsquoten älterer ArbeitnehmerInnen kontinuierlich steigen. Um die Arbeitswelt für die Zukunft zu rüsten, fordert sie

  • die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern.
    Dies umfasse ein Rückkehrrecht auf Vollzeit, eine Pflegevollversicherung, die Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen sowie eine Verbesserung der Pflegeinfrastruktur.
  • den Arbeitsschutz systematisch zu verbessern und weiterzuentwickeln.
    Dazu müsste die Arbeitsstättenverordnung modernisiert, die Gefährdungsbeurteilungen gestärkt, das Recht auf Nichterreichbarkeit und Telearbeit fixiert und die Arbeitswelt humanisiert werden.
  • die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Bereich der öffentlich finanzierten Dienstleistungen und den sog. „Frauenberufen“.


Dirk Neumann
, zweiter Experte und Politischer Sekretär beim Vorstand der IG Metall, ergänzte, dass noch immer eine Diskrepanz zwischen Rentenzugangsalter und Erwerbsausstiegsalter bestehe. Zudem genießen nur ein Drittel der Beschäftigte – in etwa der Hälfte der Betriebe – überhaupt altersgerechte Maßnahmen. Die Politik sei beim Arbeitsschutz in den letzten Jahren zu passiv gewesen, gerade was psychische Erkrankungen anbelange.

Er sieht politischen Handlungsbedarf unter anderem darin,

  • die Arbeitsstättenverordnung umzusetzen,
  • betriebliches Eingliederungsmanagement gesetzlich zu klären,
  • eine Anti-Stress-Verordnung auf den Weg zu bringen sowie
  • Arbeitnehmerrechte beim Arbeitsschutz zu stärken.

Im Anschluss diskutierten wir darüber, ob eine Reduzierung der Regelarbeitszeit Teil eines alternsgerechten Arbeitens sein kann, wie die Arbeitszeit gerechter aufgeteilt werden kann und welche Aufgaben in der Verantwortung der Sozialpartner bzw. der Politik liegen. Wir erörterten, welche Wege es aus der Vereinbarkeitsfalle geben kann, welche Rahmenbedingungen die Pflege der Zukunft benötigt und welche Flexibilität beim Übergang in die Rente erforderlich ist.

 

Zum Hintergrund:

In der Bundestagsfraktion gibt es in dieser Legislaturperiode eine AG Demografie unter meiner Leitung. In ihr beschäftigen wir uns umfassend mit den demografiepolitischen Themenspektrum. Wir arbeiten politikfeldübergreifend mit den jeweiligen Fachabgeordneten zusammen. Die Arbeit ist in vier Themencluster unterteilt, die sich am Lebensverlauf orientieren: erste und mittlere Lebensphase, Best Agers/Alter und All Ages.

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