10. November 2014 – EU-Gerechtigkeitsindex: Deutschland hat Nachholbedarf bei der Generationengerechtigkeit

old man and a kid holding hands together

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Im ersten vergleichenden Gerechtigkeitsindex für alle EU-Staaten stellt die Bertelsmann Stiftung fest, dass die soziale Ungleichheit in Europa zunimmt. Insbesondere die Kluft zwischen Nord- und Südeuropa sowie zwischen Alt und Jung wächst.

Deutschland liegt beim Gesamtranking für soziale Gerechtigkeit auf Platz 7 – hinter den skandinavischen Ländern sowie den Niederlanden, der Tschechischen Republik und Österreich. Betrachtet man jedoch die einzelnen Untersuchungskategorien genauer, zeigt sich, dass Deutschland insbesondere bei der Generationengerechtigkeit Nachholbedarf hat. Hier liegt Europas größte Volkswirtschaft nur auf Platz 10. Die Studie beurteilt Generationengerechtigkeit nach der Verteilung von Teilhabechancen zwischen Jung und Alt sowie nach dem Ausmaß der Verschiebung von ökonomischen, sozialen und ökologischen Lasten auf kommende Generationen. Aus demografiepolitischer Sicht ist auch der Indikator Bildungsgerechtigkeit wichtig. Hier belegt Deutschland sogar nur Rang 14.

Deutschland ist also im Bereich der Generationengerechtigkeit absolut mittelmäßig. Und das obwohl die Bundesregierung den demografische Wandel durch Demografiegipfel und Demografiestrategie vielfach zur Chefsache erklärt hat. Die Beispiele von Schweden, Dänemark und Finnland zeigen, dass es möglich ist, trotz – oder gerade wegen – einer massiven Alterung der Bevölkerung, den Sozialstaat zukunftsfähig aufzustellen. Deutschland ist von diesem Ziel noch weit entfernt. Es ist dringend nötig, in qualitativ hochwertige und inklusive Bildung zu investieren. Bildungserfolg darf nicht vom sozialen Hintergrund abhängig sein! Des Weiteren muss die Rentenversicherung zukunftsfähig aufgestellt werden. Die Rente mit 63 geht zulasten der jüngeren Generation. Stattdessen brauchen wir flexiblere Renteneintrittsmodelle. Viele „junge Alte“ sind noch fit und aktiv und wollen gerne weiterarbeiten, wenn auch nicht im vollen Umfang. Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangels ist es wichtig, älteren MitarbeiterInnen flexible Möglichkeiten zum Renteneintritt anzubieten, damit sie ihr Wissen an Jüngere weitergeben können. Außerdem muss weiter in den Ausbau von Kinderbetreuung investiert und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert werden. Denn eine demografiefeste Politik muss die Bedürfnisse aller Generationen berücksichtigen und Generationengerechtigkeit gewährleisten.

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