11. Juli 2016 – „Senioren brauchen eine Lobby“: Im Gespräch mit dem Seniorenbeirat München

Doris Wagner beim Seniorenbeirat München

von links: Dr. Irmgard Nies, Waltraud Hörnchen, Doris Wagner, Ingeborg Staudenmeyer und Gerhard Krug

Wie sieht die Lebenssituation Älterwerdender in einer Millionenstadt wie München aus? Als demografiepolitische Sprecherin interessiert mich die Arbeit des Münchner Seniorenbeirats. Er tritt für die Interessen von 320.000 Menschen über 60 Jahre in München ein. Um herauszufinden, was genau die Bedürfnisse und Anliegen der älteren Generation sind, habe ich mich mit den Vorstandsmitgliedern Frau Staudenmeyer, Frau Nies, Frau Hörnchen und Herrn Krug unterhalten.

Wie ist die Situation der Senioren in München?

In München haben Senioren ganz andere Bedürfnisse als in anderen Städten und Regionen Bayerns. Denn München gilt als attraktiv für Junge, Hochqualifizierte. Der hohe Wachstumsdruck hat aber auch Wohnungsnot und besonders hohe Lebenshaltungskosten zur Folge.

München bietet mit seiner hohen Dichte und Vielfalt von Angeboten und einer guten Verkehrsinfrastruktur eine ausgezeichnete Lebensqualität, ist aber gerade für Ältere viel zu teuer. Das würde, so die Sprecher des Seniorenbeirats, bei der Berechnung der Grundsicherung zu wenig berücksichtigt.

Auch die Daseinsvorsorge der städtischen Kliniken gestaltet sich schwierig, denn die viel zu geringen Fallpauschalen für Kinder und Senioren nehmen keine Rücksicht auf deren besondere Situation. Gerade beim Thema Krankenversicherung findet der Seniorenbeirat die Ablehnung vieler Anträge für Beihilfen und Maßnahmen beschämend. Dabei trifft es vor allem ältere Frauen besonders hart.

Wohnen im Alter individuell unterstützen

Die Wohnbedürfnisse der Senioren sind heterogen. Die meisten wollen jedoch so lange wie möglich in der eigenen Wohnung oder im eigenen Quartier bleiben. Was die Wohnungsanpassung im Alter betrifft, haben städtische Gesellschaften leider keinen differenzierten Überblick über ihre Wohnungsbestände. Den Wunsch nach Wohnungstausch können sie deshalb oft nicht einfach und unbürokratisch unterstützen. Es gibt keine Statistik über die Wohnungsbelegung. Hier schlägt der Seniorenbeirat die Einrichtung eines Katasteramtes vor.

Was macht der Seniorenbeirat?

Damit Senioren eine Lobby haben, ist der Seniorenbeirat Teil der Seniorenvertretung der Landeshauptstadt München und deren Beschlussorgan. Er wird alle vier Jahre von allen Münchnerinnen und Münchner über 60 Jahre gewählt. Die nächste Wahl findet 2017 statt. Der Beirat ist überparteilich, überkonfessionell und verbandsunabhängig und setzt sich aktiv für eine kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Seniorengruppen, Ämtern, Wohlfahrtsverbänden und -organisationen ein. Dabei agiert er wie ein Bezirksausschuss. Der Vorstand bemängelt aber, dass das Gremium nicht über eigenes Budget verfügt. Dabei bearbeiten sechs Fachausschüsse Aufgaben wie:

  • kommunale Behörden und Öffentlichkeit auf Anliegen der älteren Generation aufmerksam machen
  • an Lösungen und Verbesserungen aktiv mitarbeiten
  • Miteinander zwischen den Generationen fördern
  • Darstellung aller Möglichkeiten und Facetten des Lebens im Alter

Außerdem bietet der Seniorenbeirat regelmäßige Sprechstunden und Beratungen zu allen seniorenrelevanten Themen wie zum Beispiel Rente und Energiesparen an.

Das war ein spannender Termin mit sehr engagierten Gesprächspartnern! Ein großes Kompliment an die Vertreter des Seniorenbeirats, die sich mit viel Herzblut für die Anliegen der Älteren in München einsetzen!

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