13. Juni 2014 – Arbeit und Ausbildung für psychisch kranke Menschen

Irsser Kreis 2Zu Besuch bei der Integrationsfirma Irseer Kreis Versand. Dort arbeiten psychisch kranke Menschen unter der Leitung von Geschäftsführer Bertram Sellner, zuvor Pflegedienstleiter des kaufbeurer Bezirkskrankenhauses. Inzwischen behauptet sich das Unternehmen seit über 25 Jahren am 1. Arbeitsmarkt und vor zwei Jahren wurde sogar gebaut.

Aber zurück auf Los: Den Anfang hat alles mit der Psychiatriereform gemacht. Nun galt ‚ambulant vor stationär‘ und Langzeitpatienten sollten enthospitalisiert werden. In dieser Zeit hat sich der Irseer Kreis als Helferkreis für psychisch Kranke gegründet. Ziel war, die Betroffenen bei Arbeits- und Wohnungssuche zu unterstützen.

Um Arbeit zu schaffen wurde zunächst in der Bezirksklinik mit einem kleinen Kredit vom Bezirk Schwaben ein Versandhandel mit Bastelartikeln gegründet. Es ist kaum zu glauben mittlerweile hat die Firma ein größtenteils selbst finanziertes und mit den Mitarbeitern gemeinsam geplantes Gebäude bezogen und das Sortiment umfasst ca. 14.000 Artikel.Irsser Kreis 1

Aber auch mit einem Job haben es psychisch Kranke bei der Wohnungssuche schwer. Der Irseer Kreis hat eine Lösung gefunden. Er tritt als Mieter auf und übernimmt die Verantwortung für die Wohnung. Damit schaffen die betroffenen Menschen einen weiteren Schritt in die Eigenständigkeit und dem Vermieter ist die Scheu vor einem psychisch kranken Mieter genommen.

Aber der Irseer Kreis Versand ist nicht nur Arbeitgeber, hier finden die Mitarbeiter auch ein Stückchen Zuhause und Anschluss, denn häufig ist durch die Erkrankung das soziale Umfeld weggebrochen. Es gibt eine gut ausgestattete Küche, einen schönen Speiseraum und einen Garten mit Grill und Liegestühlen. Hier wird 2 Mal pro Woche gekocht, es findet regelmäßig ein Stammtisch statt und hier wird auch gerne einmal ein privater Geburtstag gefeiert.

Es gäbe noch viel zu erzählen: die Erfolgsgeschichten von schwer vermittelbaren Jugendlichen, die hier ihre Ausbildung gemacht und die jetzt in einem ganz normalen Betrieb einen Arbeitsplatz gefunden haben oder von Mitarbeitern, die aus der forensischen Psychiatrie hier den Sprung auf eine Führungsposition geschafft haben.

Ich habe ein gut gehendes, gut organisiertes Unternehmen besucht, das jeden Euro Umsatzgewinn in das Wachstum der Firma steckt, um weitere Arbeitsplätze für psychisch kranke Menschen zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem eigenen Tempo wohlfühlen und sich Betroffene und Nicht-Betroffene auf Augenhöhe begegnen. Ich wünsche Bertram Sellner und seinem Team weiterhin viel Erfolg!

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