14. – 16. März 2016 – Commission on the Status of Women, New York

imageIch habe an der Commission on the Status of Women (CSW/ Kommission für die Rechtsstellung der Frau, kurz Frauenrechtskommission) in New York teilgenommen. Das ist eine Kommission des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen. Sie wurde 1946 parallel zur imageMenschenrechtskommission eingesetzt und erstellt Berichte und Empfehlungen zur Verbesserung der Stellung von Frauen in den Bereichen Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Soziales und Bildung. TeilnehmerInnen sind VertreterInnen von Mitgliedstaaten, UN Organen und beratenden NGOs.

imageFrühstücksbriefing und Austausch mit Staatssekretärin Elke Ferner und den deutschen NGOs im Deutschen Haus: Gut vertreten waren die deutschen Frauen in New York. UN Women Deutschland, der Deutsche Frauenrat, Business Professional Women Deutschland, Women in Parliament. Frau Ferner berichtet, dass in diesem Jahr der thematische Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Nachhaltiger Entwicklung und der Gender Equality liegt. Eine Herausforderung für das Abschlussdokument, das trotz des ‚breiten‘ Themas einen klaren Fokus haben soll. Ein besonderes Problem in diesem Jahr ist die Haltung von Polen und Ungarn, die darauf beharren in Bezug auf sexuelle und reproduktive imageRechte hinter die aktuelle EU-Beschlusslage zurück zu gehen. Ein weiteres schwieriges Thema in den Verhandlungen ist die Definition von ‚Familie‘ … klassisch, patchwork, gleichgeschlechtliche Paare. Frau Nordmeyer von UN Women Deutschland wies darauf hin, wie wichtig die thematische Verschränkung zwischen Frauenrechtskonferenz und Sicherheitsrat ist, der Bezug auf die Sicherheitsratsresolutionen. Nicht nur wegen der Gleichstellung, sondern auch weil die Lösungen dann nachhaltiger sind.

Ich erinnere mich nicht mehr genau an den Zusammenhang, aber eine Teilnehmerin wies darauf hin, dass bei Überschwemmungen viel mehr Frauen ertrinken imageals Männer, weil sie aus sozio-kulturellen Gründen nicht schwimmen können. Thema war auch das Wahlprocedere des/r nächsten UN Generalsekretärs/in. Es herrscht der große Wunsch vor, dass es dieses Mal eine Frau wird und erstmalig soll es eine Vorstellung mit Befragung geben. Frau Hellwig vom Deutschen Frauenrat findet es notwendig die zu uns geflüchteten Frauen nicht nur als zu versorgende Opfer zu betrachten, sondern als politische Subjekte. Sie müssen dabei unterstützt werden, selber aktiv zu werden. Und warum nicht auch ungewöhnliche Wege gehen: UN Resolution 1325 bei uns vor der Haustür umsetzen und geflüchtete Frauen zu Peacebuilderinnen ausbilden, die dann wieder zurück gehen und sich vor Ort einsetzen.

Eröffnung der Konferenz durch Ban Ki Moon

Eröffnung der Konferenz durch Ban Ki Moon

Ich habe verschiedene ‚Fringe Meetings‘ besucht:

Requirements for the Economic Empowerment of Women: Ein deutscher Side Event. 155 Länder auf der Welt haben Gesetze, die Frauen die Teilhabe am Wirtschaftsleben verbieten, so der deutsche Botschafter Heiko Thoms. Frau Nordmeyer von UN Women Deutschland drängte auf eine Mentalitätsänderung, um ein ‚enabling environment‘ für Frauen und Männer zu schaffen. In ihrer Keynote wies Elke Ferner darauf hin, dass die Hälfte der Frauen Teilzeit arbeitet und 80% von ihnen weniger als 20 Stunden. Jede 5. Mutter würde gerne mehr arbeiten und Väter lieber etwas weniger. Fast alle Paare möchten eine partnerschaftliche Aufteilugn der Aufgaben, aber nur 14% der Paare können das auch Leben.

imageUnd ganz wichtig! Der Mindestlohn hat in Deutschland jetzt schon zu einer Absenkung des Gender Pay Gaps geführt, wenn er überall umgesetzt ist wird er 2% niedriger liegen als noch im vergangenen Jahr.Eine der Panel-Teilnehmerinnen war Anna Fath von UN Women, die die Kampagne ‚Empower Women‘ vorgestellt hat. Ziel ist ‚economic empowerment‘ von Frauen. Mittlerweile vergeben sie den Titel ‚Empower Women Champion‘, dieser Titel öffnet ihnen viele Türen. Einer ihrer Leitsätze ist ‚Extraordinary ordinary people can make a difference‘ … mehr dazu finden Sie hier:
https://www.empowerwomen.org/en

Tupper Ware beschäftigt 3 Millionen Frauen weltweit. Rick Goings beschrieb den ‚Tupper Ware Effect‘. Mit Mikrofinanzierung und Training bringt Tupper Frauen ohne Ausbildung in Arbeit. Durch Erfolg und finanzielle Unabhängigkeit gewinnen sie an Selbstbewusstsein und können Ihre Umstände verändern. Diese Frauen bringen Eigenschaften mit, die nicht durch Prüfungen bemessen werden: Selbstmotivation, Führungsqualitäten, Disziplin, Verlässlichkeit, Empathie, Neugier. Das hat viele Frauen, aber auch Tupper zum Erfolg geführt.

Teilnehmerin bei der Vorstellung von Women in Parliament

Teilnehmerin bei der Vorstellung von Women in Parliament

Eine weitere Panel Teilnehmerin war Dr. Amany Asfour, von den Business & Professional Women in Ägypten. Ihr Programm dreht sich um das Dreieck von People (how to empower, train to be business women, leadership, how to deal with banks etc.), Policy (legislation, government procurement which has a huge turnover etc.) and Product (how to develop a a product, marketing etc). Ihrer Meinung nach, reichen Mikrokredite nicht aus. Um zu überzeugen, muss Frauenförderung als Business Case vorgestellt und die Vorteile herausgestellt werden. „Die ägyptische Königin Hatschepsut war die 1. Business Frau in der Geschichte und ist unser Role Model!“ http://www.ebwa.info/index.htm

imageBringing security home to empower women: How can we combat violence and strengthen gender equality?: Eine Panel Teilnehmerin sprach über die Gründe von sexueller Gewalt in Kriegszeiten, die ihrer Meinung auf sexueller Gewalt in Friedenszeiten fußt. ‚If you don’t protect your women in times of peace you will not be able to do it in war.‘ Außerdem trug sie vor, dass vor einer Krise häufig ein deutlicher Anstieg von häuslicher Gewalt zu beobachten ist. Die Sicherheit von Frauen ist ein effektiver Indikator für Gender Equality und den Zustand einer Gesellschaft. Ulrike Hemmelrat vom Deutschen Frauenrat hat sehr darauf gedrungen, geflüchtete Frauen nicht nur als Oper zu sehen, sondern ihre Stärke zu erkennen. Außerdem sei Teilhabe ganz wesentlich für ihre Integration. Wir sollten auf der einen Seite ermuntern, ihre Erfahrungen einzubringen, und ihnen auf der anderen Seite etwas geben, das sie mitnehmen können wenn sie zurück gehen. Und dazu gehört auch ein Verständnis für Demokratie und Frauenrechte, aber auch Sprache und Bildung. Starke Frauen können Bridge Builder sein, Agents of Change für nachhaltige Friedensarbeit.

Equal Pay Day: Entgeltgleichheit wurde schon zum 1. Weltfrauentag gefordert und ist noch immer noch nicht erreicht. In diesem fringe meeting hat u.a. Veronique Goy Vennhuys die Equal Salary Foundation aus der Schweiz vorgestellt. Ein wirklich spannendes Projekt. Firmen können sich zertifizieren lassen, wenn sie die equal-pay-Kriterien erfüllen. In Zeiten von Fachkräftemangel ein interessantes und wirksamen HR-Marketinginstrument. Mehr dazu unter: http://www.equalsalary.org/de/about-equal-salary/

imageNonviolent Peaceforce – Women Peacekeeping Teams Use Unarmed Civilian Protection (UCP): Gut ausgebildete, nicht bewaffnete Zivilistinnen werden vor, während oder nach gewalttätigen Konflikten eingesetzt, um Gewalt zu verhindern oder zu reduzieren. D.h. unter anderem ‚protective presence‘, ‚protective accompaniment‘, ‚Dazwischen gehen‘, ‚early warning‘, ‚confidence building‘, ‚local level mediation‘ etc. Eine junge Frau hat berichtet, dass in einem Einsatz zusammen mit anderen Freiwilligen, die Frauen die Frauen des Dorfes begleitet hat, wenn sie das Dorf verlassen haben, um Feuerholz zu sammeln … Sehr mutig!

imageWomen in Parliament: Ein weltweites Netzwerk von Parlamentarierinnen hat sich vorgestellt. „Frauen brauchen drei Dinge, um ihr Potential auszuschöpfen: communication, connection, community. At WIP, optimizing the power of communication and connection builds new communities of support for women in politics everywhere. Das hat mir sehr gefallen und ich hoffe, beim nächsten Treffen vom WIP dabei zu sein. Mehr dazu hier: http://www.womeninparliaments.org

imageAbschiedsessen: Es war eine großartige Erfahrung, das erste Mal New York, das erste Mal UN, tolle Frauen und spannende Projekte kennen gelernt Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal!

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