14. Juli 2015 – Allianz Zukunftsworkshop

Doris Wagner und Dr. Wolfgang Brezina, Vorstand Personal Allianz Deutschland AG

Mit Dr. Wolfgang Brezina, Vorstand Personal Allianz Deutschland AG

‚Allianz Zukunftsworkshop‘ – ich habe mich wirklich sehr über die Einladung zu dieser ausgesuchten Gesprächsrunde gefreut. Meine Aufgabe war es, einen kurzen Impuls zum Thema ‚Demografie‘ zu geben. Hier mein Input:

„Wir haben von Ihnen zur Vorbereitung der heutigen Diskussion einen Chart bekommen, der die Risiken für unsere Gesellschaft darstellt (siehe weiter unten). Und ich denke, dass ‚Demografie bzw. die ‚demografische Entwicklung‘ dazu gehören.

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Aber in dieser Atmosphäre der Politikverweigerung, der Politikverdrossenheit macht dieses Thema eine Gratwanderung notwendig zwischen auf der einen Seite dem Gefahrenszenario, das uns aus allen Zeitungen anspringt – nach dem Motto ’na, da kann man ja dann sowieso nichts mehr machen‘ – und auf der anderen Seite dem Aufzeigen von Chancen, auch persönliche Chancen, die aber kein Selbstläufer sind.

Damit komme ich zu meiner tiefen Überzeugung, dass jede demografiepolitische Maßnahme immer einen Mehrwert generiert, der eine persönliche und eine gesellschaftliche Dimension hat. Nachdem ich sehr lange Frauen- und Gleichstellungspolitik gemacht habe, lassen Sie mich ein Beispiel aus diesem Bereich nennen:
Die Unternehmen benötigen Fachkräfte und heben die vorhandenen Potentiale. Das sind, wie wir immer wieder hören Ältere, Migranten und Frauen. Für die einzelne Frau ist das die Chance aus dem Minijob raus zu kommen und eine ordentliche Rente zu erwirtschaften. Für uns als Gesellschaft bedeutet das, einer drohenden Welle von Altersarmut vorzubeugen und die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Ein paar Worte dazu, wie ich als demografiepolitische Sprecherin im Bundestag vorgehe. Dazu vorweg: ‚Demografie‘ berührt praktisch alle Politikfelder und ist als Thema in einer Struktur wie einer Bundestagsfraktion nicht einfach zu bearbeiten, weil Sie immer – egal welchen Aspekt Sie ansprechen – immer in den Arbeitsbereich eines/r anderen Abgeordneten eindringen. Im übrigen ist es natürlich gar nicht möglich, in jedem Thema zur Expertin zu werden. Ich verstehe mich deshalb als demografiepolitische Sprecherin gewissermaßen als Klammer, die die Themen zusammen bringt.

Ich habe in meiner Fraktion einen Arbeitsprozess durchgesetzt, der sich am Lebensverlauf eines Menschen orientiert. Wir gehen weg von der geografischen Betrachtung – welche Landstriche leeren sich, wo wachsen die Megastädte? – und untersuchen stattdessen, was jede/r Einzelne in den verschiedenen Lebensphasen in einer älter werdenden Gesellschaft braucht. In den jeweiligen Lebensphasen kommen unterschiedliche Fragen auf. Junge Menschen fragen sich beispielsweise, wie ihre Arbeitswelt einmal aussehen wird, wie lange sie arbeiten müssen. Die mittlere Generation, die Erwerbstätigen, mühen sich, alle Anforderungen, Karriere, Kinder, Pflege der Eltern, gesundheitliche Vorsorge, Weiterbildung, unter einen Hut zu bringen. Menschen in meinem Alter sorgen sich darum, wer sie eigentlich einmal pflegen wird … Alle haben ihre eigenen, speziellen Potentiale und Bedürfnisse. Diese gilt es zu identifizieren und in gute und generationengerechte Politik zu überführen. Und am Ende dieses Prozesses soll eine konsistente, grüne Demografiestrategie stehen.

Generationengerechtigkeit ist quasi in der grünen DNA mit angelegt. Die Gesellschaft wird älter und damit auch die Wählerinnen und Wähler und natürlich auch die PolitikerInnen. Das wirkt sich auf die Entscheidungen aus.
Aber es sind die jungen Menschen, die in der Welt leben müssen, die wir gestalten, die wir ihnen hinterlassen. Deswegen halte ich es für unbedingt notwendig, die Jungen besser einzubinden. Z.B. über die Absenkung des Wahlalters.

Noch eine Abschlussbemerkung: Ich hatte zuvor gesagt, dass ich mich sehr lange mit Frauenpolitik beschäftigt habe und gerade an der Stelle sehWe ich eine Entwicklung mit Sorge.
Wir sprechen immer davon, Potentiale für die Arbeitswelt zu heben. Auch Frauen gelten als Potential für die Wirtschaft, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ich fürchte den wirtschaftlichen und auch den gesellschaftlichen Druck, der dadurch eintsteht, ohne dass die Vereinbarkeitsfrage gelöst ist. Es gibt immer noch zu wenig Kinderbetreuung, an der Qualität mangelt es, die Bezahlung der ErzieherInnen sorgt für monatelange Debatten, was ein fatales Zeichen ist, finde ich.
Auch die Zeitfrage ist nicht gelöst: Wer hat wieviel Zeit wofür? Welche ‚Zeit-Haben-Modelle‘ ermöglichen Arbeitgeber und welche fördern wir als Gesellschaft.

So weit mein ‚Schlaglicht‘ zu unserem heutigen Thema.

Vielen Dank!

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