14. November 2012 – Besuch bei der Notruf- und Beratungsstelle für Opfer sexueller Gewalt in Kaufbeuren

SONY DSC„Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem!“

Anlässlich des Tags gegen Gewalt gegen Frauen haben sich die Sprecherin des LAK
Frauen- und Gleichstellungspolitik, Doris Wagner, die kaufbeurer Stadträtin
Ulrike Seifert, und die grüne Kreissprecherin im Ostallgäu, Ulla Schuster, mit Hermine Huber und Monika Stefanz vom Notruf- und Beratungsstelle für Opfer sexueller Gewalt getroffen

Geldmangel ist, so stellt sich in dem Gespräch heraus, mit das größte Problem.
Es fehlt an der Regelfinanzierung. Nicht nur für neue Räume, die derzeit weit
oben auf der Wunschliste stehen, auch weitere MitarbeiterInnen wären gut. Gerade
im Bereich Prävention könnte noch einiges mehr getan werden, wenn Zeit dafür da
wäre. Auch wäre noch mehr Vernetzung mit anderen Institutionen gut, aber dafür
bleibt zu wenig Zeit. Besonders wichtig wäre ein männlicher Kollege. Denn anders
als in anderen Beratungsstellen werden hier in Kaufbeuren bis zum Alter von 18
Jahren auch Jungen beraten. Das Konzept der Beratungsstelle sieht die Arbeit mit
Jungen ausdrücklich mit vor. Insgesamt müsste es mehr Jungen- und Männerarbeit
auch in ländlichen Gebieten geben.

Neben der Beratung in den eigenen Räumlichkeiten, sind Frau Huber und Frau
Stefans im Ostallgäu viel unterwegs. Sollte eine Frau nicht nach Kaufbeuren
kommen können wird sie auch vor Ort aufgesucht. Für diese Beratungen wird immer
ein sicherer Ort gefunden.

Prävention in Kindergärten und Schulen ist ein ganz wichtiger Arbeitsbereich der
Beratungsstelle. Manche Institutionen werden nur fallweise aufgesucht, mit
anderen, wie z. B. den Einrichtungen der Lebenshilfe, gibt es eine sehr
positive, regelmäßige Zusammenarbeit.

Ein ganz wichtiger Zugang zu den Schülern ist die Jugendsozialarbeit an den
Schulen. Sehr niedrigschwellig können Schülerinnen und Schüler das
Beratungsangebot wahrnehmen, auch schon mal ohne, dass die Eltern etwas davon
mitbekommen sollen.

Was laut Frau Huber fehlt, ist eine Infrastruktur für junge Opfer. Frauenhäuser
nehmen Frauen erst ab 18 Jahren auf. Die Frage ist, wo jüngere Frauen
unterkommen können, wenn sie ihre Familie aufgrund von sexueller Gewalt
verlassen müssen. Es sollte für Mädchen und Jungen in Notsituationen eine
Einrichtung geben, die „begleitetes“ Wohnen anbietet. Schließlich müssen diese
jungen Menschen noch erwachsen werden und dabei brauchen sie Hilfe.

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