15. Januar 2016 – AG Demografie: Wer pflegt die Babyboomer?

Elisabeth Scharfenberg, Mdb; Dr. Elke Tießler-Marenda; Doris Wagner, MdB; Michaela Evans

MdB Elisabeth Scharfenberg, Dr. Elke Tießler-Marenda; MdB Doris Wagner, Michaela Evans

Schon heute herrscht in fast allen Bundesländern Fachkräftemangel in Pflegeberufen. Wie kann vor diesem Hintergrund eine qualitativ hochwertige Pflege gewährleistet werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins pflegebedürftige Alter kommen? Welchen Beitrag kann Zuwanderung leisten und welche neuen Pflegekonzepte müssen wir entwickeln?

Diese Woche hatten wir in der AG Demografie Michaela Evans vom Institut für Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen sowie Dr. Elke Tießler-Marenda, Referentin beim Deutschen Caritasverband im Referat Migration und Integration zu Gast, um diese Fragen zu diskutieren. 

Dr. Tießler-Marenda machte deutlich, dass das Anwerben von ausländischen Pflegekräften nicht auf Grundlage einer Billiglohnstrategie erfolgen kann. Da wir Fachkräfte benötigen, muss zunächst in deren Aus- oder Weiterbildung investiert werden. Zudem gestaltet sich die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse immer noch schwierig. Um mehr Pflegefachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, müssen Informationen zu gesetzlichen Rahmenbedingungen sowohl für potentielle Arbeitgeber als auch für interessierte Fachkräfte leichter verständlich und besser zugänglich gemacht werden. Außerdem sollten ZuwanderInnen beim Spracherwerb und beim Familiennachzug unterstützt werden. Allein durch Fachkräfte aus dem Ausland lassen sich die Probleme im deutschen Pflegesystem aber nicht lösen, so Tießler-Marenda. Um bis 2030 die 500.000 zusätzlich nötigen Pflegefachkräfte zu gewinnen, müssen die Arbeitsbedingungen dringen verbessert werden, damit mehr Menschen bereit sind, dieser wichtigen Tätigkeit nachzugehen.

Michaela Evans betonte, dass die Diskussion um die Zukunft der Pflege breiter geführt werden muss. Personenbezogene Dienstleistungen stellen demnach einen wachsenden Markt dar, der in der Diskussion zur Zukunft der Arbeit viel stärker berücksichtigt werden sollte. Außerdem wird in der deutschen Diskussion vernachlässigt, dass gute Pflegeleistungen ein zentraler Bestandteil der demokratischen Grundordnung sind. Gute Pflege gibt vielen Menschen erst die Möglichkeit, ihr Recht, sich an der Gesellschaft zu beteiligen, auszuüben. Um sowohl die Arbeitsbedingungen der Pflegenden als auch die Qualität der Pflege zu verbessern, muss man den Mut haben, alternative Arbeits- und Personaleinsatzkonzepte zu testen und die Kooperation zwischen verschiedenen Trägern zu fördern. Außerdem sollte laut Evans der Einsatz technischer Hilfsmittel in der Pflege als Chance wahrgenommen werden, den Beruf attraktiver zu machen.

In der Diskussion wurde sehr deutlich, dass es kein „Weiterso“ in der Pflege geben darf. Deshalb setzen wir Grüne uns dafür ein, dass pflegebedürftige Menschen an der Gesellschaft teilhaben können und entwickeln Konzepte, um die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen zu verbessern.

 

Zum Hintergrund:

In der Bundestagsfraktion gibt es in dieser Legislaturperiode eine AG Demografie unter meiner Leitung. In ihr beschäftigen wir uns umfassend mit den demografiepolitischen Themenspektrum. Wir arbeiten politikfeldübergreifend mit den jeweiligen Fachabgeordneten zusammen. Die Arbeit ist in vier Themencluster unterteilt, die sich am Lebensverlauf orientieren: erste und mittlere Lebensphase, Best Agers/Alter und All Ages.

 

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