16. September 2016 – Türen auf für Profis

tueren-auf-fuer-profisBei der grünen Fachtagung zur „Bausteine für ein nachhaltiges Einwanderungsgesetz“ habe ich ein Blitzlicht zur Pflege beigetragen. Gemeinsam mit Marianne Haase von der GIZ diskutierte ich, wie der steigende Bedarf an Pflegekräften in Deutschland nachhaltig gedeckt werden kann.

Wir werden älter als Gesellschaft. Bis 2050 werden doppelt so viele über 80-Jährige unter uns sein wie heute. Alter bedeutet nicht automatisch Pflegebedürftigkeit, trotzdem geht man davon aus, dass die die Anzahl der Pflegebedürftigen von heute etwa 2,7 Millionen bis 2050 auf 4,5 Millionen ansteigen wird. Heute werden zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause von Familien versorgt – manchmal in Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst. Die Lebensentwürfe und die Berufswege haben sich geändert. Immer weniger Familien wohnen nahe beieinander und immer mehr Menschen haben keine eigenen Kinder. Deshalb werden in Zukunft weniger Menschen allein von Verwandten gepflegt werden (können).

Auch in der beruflichen Pflege bestehen schon heute massive Engpässe, die sich in den nächsten Jahren erheblich verschärfen werden – wegen des steigenden Bedarfs und weil der demografische Wandel zu einem Rückgang der Erwerbstätigen führt. Diesen Bedarf werden wir nicht allein inländisch decken können. Wir brauchen Zuwanderung von Pflegekräften und die muss gestaltet werden.

Zuwanderung muss fair sein für die Herkunftsländer: Der Gesundheitssektor ist ein besonders sensibler Bereich. Die Anwerbung von Pflegekräften darf nicht die Daseinsvorsorge ihrer Herkunftsländer gefährden. Deutschland hat sich dazu mit Unterzeichnung des „Global Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel“ der WHO verpflichtet.

Zuwanderung muss fair sein für die MigrantInnen: Wir Grüne setzen uns ein für fairen Lohn und gute Arbeitsbedingungen, Unterstützung bei Integration und Familiennachzug, Möglichkeiten zur Nachqualifikation und Weiterbildung sowie Unterstützung beim Spracherwerb.

Und Zuwanderung muss fair sein für die bereits in der Pflege Beschäftigten: Das Anwerben ausländischer Pflegefachkräfte kann nur ein Teil der Lösung sein. Daneben setzen wir uns ein für attraktivere Arbeitsbedingungen, bessere Entlohnung und eine Abmilderung der hohen Arbeitsbelastung in Pflegeberufen.

Triple Win“ ist ein vielversprechendes Projekt der GIZ und der Bundesagentur für Arbeit, das zeigt wie es gehen könnte. Im Rahmen von Triple Win werden Pflegekräfte aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und den Philippinen angeworben. Diese Länder verfügen über hohe Standards in der Pflegeausbildung. Gleichzeitig gibt es dort mehr gut ausgebildete Pflegekräfte, als für den heimischen Bedarf benötigt werden. Die Pflegekräfte werden beim Deutschlernen unterstützt und vom Visumsantrag bis hin zur beruflichen Anerkennung in Deutschland beraten und begleitet. So wird aus Migration ein Gewinn für alle Seiten.

Marianne Haase (GIZ) im Gespräch mit Doris Wagner

Marianne Haase (GIZ) im Gespräch mit Doris Wagner

 

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