19. November 2014 – ‚Auf Kosten der Jüngeren? Die Große Koalition zwischen Demografie und Rentenpaket‘

Kirche

Der Veranstaltungsort in Bamberg

Auf Einladung von Dekan Hans-Martin Lechner von der evangelischen St. Stephanskirche in Bamberg habe ich über das Thema ‚Demografie‘ und die Zukunft der jüngeren Generation diskutiert. Mit dabei waren Dr. Manfred Böhm, Leiter der Betriebsseelsorge im Erzbistum Bamber, Bernd Rützel, SPD-Fraktion, und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn. Moderiert wurde die Runde von Bernd Bauer-Banzhaf.

Schon seit einigen Jahren finden zum Buß- und Bettag sozialpolitische Gespräch in der St. Stephanskirche statt. Eine Kirche war für mich ein ungewöhnlicher Rahmen, aber sehr schön und auch sehr kalt! Ich habe mich wirklich über die Einladung gefreut. Es war eine interessante Gesprächsrunde, wenn auch mit einem kleinen Wermutstropfen: Ich war die einzige Frau unter fünf Männern.

Hier mein Eingangsstatement:
„In Ihrem Titel schwingt die Frage der Generationengerechtigkeit mit und Generationengerechtigkeit ist für meine Partei ein sehr hohes Gut. Selbstverständlich erkennen wir die Lebensleistung von älteren Menschen an und trotzdem muss man die Rentenfrage auch unter dem Vorzeichen der Generationengerechtigkeit diskutieren.
Wie können die Interessen junger Menschen und auch künftiger Generationen gewahrt werden, ohne die Alten aus dem Blick zu verlieren. Ich denke, es ist notwendig, diese Debatte einzufordern. Man kann in Berlin schon den Eindruck gewinnen, dass sich die Regierung sehr stark auf die ältere Generation fokussiert. Eine komplette Legislatur hat sie sich an einer Demografiestrategie versucht und die Jugend kam gar nicht vor.

Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Rentner finanzieren. Die Rentenreform verschärft dieses Problem und verlagert es auf die kommenden Generationen. Konkret bedeutet das in Bamberg, dass 2011 etwa 34 Rentnerinnen auf 100 Erwerbstätige kamen und im Jahr 2031 werden es 47 sein!
Auch aus demografiepolitischer Sicht ist das Rentenpaket unsinnig. Es gibt schon jetzt Unternehmen, die Fachkräfte verlieren, weil sie 63 in den Ruhestand gehen.
An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass diese Reform auch aus der Geschlechterperspektive höchst ungerecht ist. Die wenigsten Frauen erfüllen das Kriterium der 45 Beitragsjahre.
Und noch ein Wort zum Demografie-Check der Großen Koalition, der ja eigentlich dazu dienen sollte, die Generationengerechtigkeit neuer Gesetzesvorhaben in den Blick zu nehmen. Nicht ganz von ungefähr kam er erst nach dem Beschluss zur Rentenreform und hat sich auch jenseits dessen als reiner Papiertiger entpuppt. Freiwillig, unverbindlich, sanktionslos – wirkungslos!

Wir werden älter und bleiben länger gesund, fit und leistungsfähig. Ich denke, da müssen sich auch die Bilder verändern, die wir von Älteren im Kopf haben. Ich fände es gut und richtig, wenn ältere Menschen – flexibel – länger arbeiten, weil
– sie es wollen und es können.
– es vor dem Hintergrund des zunehmenden Arbeitskräftemangel geboten ist.
– und damit die Babyboomer, die in den nächsten Jahren ziemlich schlagartig aus dem Berufsleben ausscheiden würden, mit flexibleren Übergängen in die Rente ihre Expertise, ihr Wissen leichter an die Jüngeren weiter geben könnten.

Ich freue mich auf die Diskussion!“

Share