20. Juli 2015 – Besuch beim Christophorus-Hospiz

Fluss der Erinnerung im Garten des Hospiz

Fluss der Erinnerung im Garten des Christophorus-Hospiz
Foto: Mario Fichtner

Die Deutschen werden weniger und vor allem immer älter – und trotzdem ist Pflege und Sterben immer noch ein Tabu. Wie es sich für Fachkräfte anfühlt, beim Sterben zu begleiten – inmitten der gesellschaftlichen Ansprüche auf eine „langes, gesundes Leben“ und rechtlicher Vorgaben, habe ich gemeinsam mit der Grünen Parteirätin Henrike Hahn bei einem Besuch des Christophorus Hospiz in München-Oberföhring erfahren.

Im Zuge der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts steigt die Nachfrage nach Hospiz- und Palliativversorgung immer weiter an, worauf wir gesellschaftlich noch viel zu wenig vorbereitet sind. Wir müssten schnellstmöglich zu einer flächendeckenden und zahlenmäßig ausreichenden Versorgung kommen. Das zeigt auch die Tatsache, dass es beispielsweise im Christophorus-Hospiz jährlich viermal mehr Anfragen als Hospizplätze gibt.

Nicht für alle Palliativpatienten aber ist ein Hospiz immer die beste Lösung. Viel wichtiger ist ein gelungenes Zusammenspiel und ausreichendes Fachwissen der unterschiedlichen Akteure, so dass die für das Wohl und nach den Wünschen der PatientInnen bestmögliche Lösung gefunden werden kann. Dazu muss sowohl die Kommunikation zwischen den verschiedenen Einrichtungen gut zusammenpassen als auch die nötige Expertise zur Versorgung vorhanden sein. PatientInnen sowie Angehörige sollten hier keinen Versorgungs-„Flickenteppich“ vorfinden, den sie mühsam selber zusammenstückeln müssen.

Die Hospizvereine leisten vielfältige Arbeit. Nicht nur Pflege, sondern auch psychosoziale Beratung gehört alltäglich dazu. Viele Ehrenamtliche leisten dafür Tag für Tag einen wertvollen Beitrag. Doch diese Arbeit kann von ehrenamtlichen Kräften nicht ohne die Unterstützung von Hauptamtlichen getragen werden. Hier wäre eine bessere finanzielle Ausstattung zur Beschäftigung auch hauptamtlicher Kräfte dringend erforderlich.

Einen ganz konkreten Wunsch trugen Geschäftsführer Leonhard Wagner und sein Stellvertreter Sepp Raischl noch an uns heran: Gesetzlich sei festgelegt (und sinnvoll), dass pro Hospiz nur 8 – 16 BewohnerInnen zugelassen sind. Problematisch daran sei aber, dass beim Vergleich mit Pflegeheimen nach dem standardmäßigen Versorgungsschlüssel die Mittel für eigene Hauswirtschaft wegfielen. Das bedeutet, dass es in einem Hospiz eigentlich nicht möglich wäre, eine eigene Küche zu unterhalten, sondern extern ein Catering bestellt werden müsste. Gerade aber der Duft von frisch gekochtem Essen aber sei etwas, das Menschen auf ihrem letzten Lebensweg oft ein großes Wohlbefinden bereiten könnte. Hier darf das Wohlfühlen der PatientInnen nicht bürokratischen Versorgungsschlüsseln zum Opfer fallen, sondern es sollte bedarfsangemessen beurteilt werden.

In diesem Jahr feiert das St. Christophorus Hospiz sein 30 jähriges Jubiläum. Im Garten liegen Steine, die die Namen der verstorbenen Patienten tragen und sich um Bäume windet. So wie auch das Flussbett der Isar. Ganz natürlich.

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