20. Mai 2016 – Siemens Programm zur Integration von Flüchtlingen

Doris Wagner und Rosa Riera

Mit Rosa Riera

Mein zweites Gespräch über die Integration von Geflüchteten in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt hat mich zu Siemens geführt. Ich wollte mehr über das Siemens Programm erfahren und wissen, was genau dahinter steckt. Deshalb habe ich einen Termin mit Rosa Riera, Leiterin Social Innovation und Employer Branding, vereinbart.

Wie können wir helfen?

Frau Riera berichtet, den Ausschlag gab der Gedanke: „Was passiert eigentlich mit den Flüchtlingen hier?“ So hat Siemens im Herbst 2014 ein leerstehendes Gebäude in Bogenhausen der Stadt München als Unterkunft angeboten. Siemens ist aber kein Betreiber, sondern Partner. Wichtig war Siemens dabei, dass ein Sozialplan erarbeitet wurde. Positiv überraschte auch die Reaktion der Nachbarschaft. Ein im Balkankrieg gegründeter Helferkreis aktivierte sich wieder und organisierte u. a. Deutschkurse für Geflüchtete.

Siemens unterstützt seitdem Mitarbeiter, die sich als freiwillige Helfer für Geflüchtete engagieren, mit bezahlter Freistellung von bis zu fünf Tagen im Jahr.

Orientierungspraktikum

Daraufhin stellte sich die Frage: „Wie können die Geflüchteten beschäftigt werden?“ Rieras Team machte sich an ein Konzept. Im Herbst 2014 war das „Orientierungspraktikum“ geboren. Das Programm umfasst 100 Praktikanten deutschlandweit an 19 Standorten. Als Voraussetzungen bringen die Praktikanten gute Englisch- und Officekenntnisse, Grundkenntnisse in Deutsch und IT-Affinität mit. Bezahlt wird genauso viel, wie für andere Praktikanten auch.

Der erste Tag des zweimonatigen Praktikums startet immer mit einem Integrationsworkshop in der Abteilung. Dabei geht es um Fluchtursachen, aber auch darum, welche Sprachen Praktikant und Mitarbeiter sprechen. Ein „Buddy“ steht als Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite. Alle Buddies engagieren sich freiwillig. Durch die Betreuung sind bereits sehr enge Beziehungen zwischen Praktikanten und ihren Begleitern gewachsen.

Dieses Programm zur Integration wird vom riesigen Engagement der Siemens Mitarbeiter gestützt. Alles ist freiwillig, dezentral organisiert und die Abteilungen stellen dafür zusätzliche Ressourcen bereit. Die Mitarbeiter koordinieren ihre Aktionen aktiv im Intranet und tauschen sich hier in verschiedenen Netzwerken und Foren aus.

Brücke für Ausbildung

Immer wieder tauchten die Fragen auf: “Was kommt nach dem Praktikum? Wie können die Flüchtlinge eine Ausbildung bei Siemens beginnen?“ Als „Brücke für Ausbildung“ starteten im März 2016 Förderklassen für bis zu 100 Flüchtlinge an den Standorten Berlin, Erlangen/Nürnberg, Krefeld/Düsseldorf und Karlsruhe. In sechsmonatigen Intensivkursen werden Deutsch, Sozialkunde sowie technisches und naturwissenschaftliches Grundwissen täglich trainiert. Damit qualifizieren sich die Teilnehmer für den Siemens Eignungstest und erarbeiten sich die Basis für eine Ausbildung. Ein Teilnehmer hat es bereits vom Praktikum in die Vorbereitungsklasse zum Einjahres-Arbeitsvertrag geschafft!

Geflüchtete Frauen zeigen großes Interesse bei den Infotagen. Leider gab es bisher nur zwei Bewerberinnen. Das könnte am sozialen Umfeld und Berührungsängsten liegen. Siemens wird hier als sehr männliche, technische Marke wahrgenommen. Wie diese Situation geändert werden kann, darüber macht sich Riera bereits Gedanken mit ihrem Team.

Europeans@Siemens

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa hat mich das Ausbildungsprogramm Europeans@Siemens in Berlin besonders interessiert. Hier lernen im vierten Jahrgang 31 Teilnehmer aus 13 Ländern. Dabei sind in diesem Jahr zum ersten Mal Azubis aus der Türkei und aus Ägypten.

Die besondere Herausforderung liegt darin, dass die Teilnehmer noch sehr jung sind, alle aus unterschiedlichen Ländern kommen und im Internat eine sehr intensive Betreuung brauchen.

Das war ein spannendes Gespräch, Frau Riera! Ein großes Kompliment an das Engagement aller Siemens Mitarbeiter, die das Integrationsprogramm unterstützen! Ich bin schon gespannt auf meinen nächsten Termin bei BMW.

 

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