21.-27. Juni 2015 – „Praktikum“ bei der Bundeswehr

imageIch hatte in der Vergangenheit praktisch keine Berührungspunkte zur Bundeswehr. Aber jetzt sitze ich seit 1,5 Jahren im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages und bin dort für meine Fraktion u.a. zuständig für die Attraktivitätsagenda und den Wehrbericht, also für die Bundeswehr als Arbeitgeberin. Und da man am besten versteht, was man einmal praktisch erlebt hat, habe ich an einer Informationswoche der Bundeswehr teilgenommen. Im Fachjargon: InfoDVag (Dienstliche Veranstaltung zur Information). Eine Woche lang konnte ich in der Jägerkaserne in Sonthofen persönlicheimage Eindrücke gewinnen vom alltäglichen Leben der Soldatinnen und Soldaten und dem Arbeiten in der Bundeswehr.

Die Tage waren klar strukturiert: Morgens um 6.20 Uhr antreten und dann gings los. Vormittags Vorträge und Gespräche mit Offizieren aus den verschiedensten Fachbereichen: Was ist die Streitkräftebasis, ABC Abwehr, zivil-militärische Zusammenarbeit, Personalführung in der Bundeswehr und Vieles mehr. Leider war unter den Vortragenden keine einzige Frau. Nachmittags gab es immer etwas Praktisches oder eine Vorführung.

 

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Der Standort Sonthofen ist im Besonderen geprägt durch die Schule für ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben. Hier werden militärische sowie zivile Angehörige der Streitkräfte in der Abwehr von und dem Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen (Kampf-)Stoffen geschult. Dazu gehören insbesondere die Dekontamination und Desinfektion von Personal, Material und Infrastruktur. Wir bekamen gezeigt, wie aus einem Spürpanzer eine Bodenprobe genommen wird, um zu untersuchen, ob die Umgebung kontaminiert ist. Nicht so einfach, in einem Panzer liegend mit einem dicken Gummihandschuh und wenn man kaum etwas sieht. Gelehrt wird hier aber auch, wie Trinkwasser aufbereitet wird. Eine Fähigkeiten, die in Auslandseinsätzen wie in Afghanistan von zentraler Bedeutung sein kann. Ein Soldat, eine Soldatin hat das Recht auch im Einsatz die gleiche Wasserqualität zu bekommen, wie zu Hause. Wir haben die verschiedenen Großgeräte gesehen, die dafür eingesetzt werden, aber auch die Maschine, mit der Wasser ‚verpackt‘ wird, um es haltbar zu machen. Kleine eingeschweißte Wasserportionen, die leicht zu transportieren sind.

Diese imageund viele weitere Fähigkeiten, die hier gelehrt und trainiert werden, kommen im Auslandseinsatz zum Tragen. Aber auch im Inland hat die Bundeswehr Aufgaben in der zivil-militärischen Zusammenarbeit. Im Falle eines schweren Unglücks oder einer Katastrophe ist sie damit in der Lage, den zivilen Hilfseinrichtungen wie Feuerwehr oder THW unterstützend zur Seite zu stehen.

Gen Ende der Woche hatten wir Gelegenheit, die Karrieremobile der Bundeswehr zu sehen. Die Truppe leidet unter Nachwuchsmangel, zahlreiche Dienstposten können nicht besetzt werden, also wird geworben. Das finde ich OK, denn irgendwie muss die Bundeswehr ja zeigen, wie Vielfältig die Berufsbilder sind, was man dort alles machen kann. Diese Karrieremobile werden auch von Schulen, von interessierten LehrerInnen eingeladen, die sie dann mit ihren Klassen besuchen. Und hier habe ich eine Kritik: Wenn einmal die Entscheidung für den Besuch eines Karrieremobils gefallen ist, ist die Teilnahme Pflicht. Das finde ich falsch. Die Bundeswehr ist eben in mancher Hinsicht kein Arbeitgeber wie jeder andere. Deshalb wäre ich sehr dafür, dass die Teilnahme hier freiwillig ist.

Mit Frau Hauptmann Klauser und Herrn Oberleutnant Bonauer

Mit Frau Hauptmann Klauser und Herrn Oberstleutnant Bonauer

Wir sind von einer Gruppe von Ausbildern durch die Woche geführt worden, die versucht haben, uns ein Stück weit auch ’soldatisches Verhalten‘ zu vermitteln. Sie haben sicher das eine oder andere Mal über unsere bunte Truppe geschmunzelt. Wirklich alle Achtung, sie haben in dieser Woche nie den Humor verloren, standen für alle Fragen, die sich so am Rande ergeben haben zur Verfügung, sie haben uns mit freundlichem Nachdruck in die richtige Richtung gedrängt und mit großem Aufwand eine spannende Zeit für uns gestaltet. Vielen Dank dafür Ihnen/Euch Allen!

Wir sind als 31 Individuen, 5 Frauen und 26 Männer, aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik aufeinander getroffen und am Ende waren wir eine Gruppe mit ‚Zugehörigkeitsgefühl‘. Der Startschuss dafür war in meinen Augen die ‚Einkleidung‘. Vorne sind wir als ZivilistInnen hineingegangen und hinten sind wir – alle gleich – in Flecktarn wieder herausgekommen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass in dieser Woche auch einige Freundschaften entstanden sind.

Kurz: Eine interessante, vielseitige Woche. Ich habe viel über die Bundeswehr gelernt, über die Menschen, die dort arbeiten und gute Kontakte geknüpft. All das wird mir bei meiner weiteren Arbeit im Verteidigungsausschuss sehr nützlich sein und war auch ganz persönlich eine Bereicherung.

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