22. April 2015 – AG Demografie: Zeitpolitik für Geschlechtergerechtigkeit

Mit Prof. Klammer (Mitte) und Ulle Schauws (links)

Mit Prof. Klammer (Mitte) und Ulle Schauws (links)

Vor einem Monat war der Equal Pay Day. Wir erinnerten daran, dass Frauen noch immer 22% weniger Lohn bekommen. Das hat verschiedene Ursachen: häufigere Teilzeit, öfter in Minijobs, längere Pausen für Erziehung und Pflege oder gesellschaftliche Rollenvorstellungen, um nur einige zu nennen.

Dabei wollen viele Familien anders leben; sie wollen sich die Betreuung der Kinder und die Arbeitszeit partnerschaftlich aufteilen. Damit dies kein Wunschtraum und ihnen die Falle der ungewollten Retraditionalisierung erspart bleibt, arbeiten wir in der Fraktion an zeitpolitischen Modellen. Auch in unserer AG Demografie steht das Thema auf der Tagesordnung. Mit Prof. Ute Klammer haben wir uns eine ausgewiesene Expertin hierzu eingeladen, die sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit Geschlechtergerechtigkeit und Arbeitswelt beschäftigt und den ersten Gleichstellungsbericht verantwortet hat.

Sie mahnte, Zeit und Einkommen gemeinsam zu betrachten. Längere Auszeiten – egal ob für Kindererziehung, Pflege oder ein Sabbat-Jahr – bergen häufig die Gefahr, im Alter ungenügend abgesichert zu sein. So sollte gesellschaftlich und politisch wertgeschätzt werden, wer sich um andere sorgt. Es geht also darum, Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, ohne dass es für sie negative Konsequenzen hat, wie geringerer Lohn oder die Gefahr von Altersarmut. Konkret heißt das: Jeder kann für seine eigene soziale Sicherung sorgen, berufliche Kompetenzen werden gleichermaßen entgolten, gute Möglichkeiten der Kinderbetreuung ermöglichen flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitreduzierung bedeutet nicht gleich einen Karriereknick.

Aufgrund der demografischen Entwicklung werden Fachkräfte fehlen. Das betrifft nicht Alle gleich. Hochqualifizierte werden von den Unternehmen mehr und mehr umsorgt, da sie schwer zu ersetzen sind. Für einfachere Tätigkeiten gilt dies jedoch (noch) nicht. Auch damit verfestigen sich bestehende Geschlechterrollen. Und damit ist auch klar: Auszeiten muss man sich leisten können.

Unsere Vision ist unverkennbar: Wir wollen mehr Optionen und Chancen für Alle.
Es wird normal, dass immer mehr Väter ihre Kinder zu Kita bringen, dass die Chefin in Teilzeit arbeitet und dass die Rente ausreicht, auch wenn man Kinder großgezogen und die eigenen Eltern gepflegt hat.

 

Zum Hintergrund:

In der Bundestagsfraktion gibt es in dieser Legislaturperiode eine AG Demografie unter meiner Leitung. In ihr beschäftigen wir uns umfassend mit den demografiepolitischen Themenspektrum. Wir arbeiten politikfeldübergreifend mit den jeweiligen Fachabgeordneten zusammen. Die Arbeit ist in vier Themencluster unterteilt, die sich am Lebensverlauf orientieren: erste und mittlere Lebensphase, Best Agers/Alter und All Ages.

 

 

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