22. Februar 2016 – Meine Entgegnung auf Singhammers FAZ-Beitrag

150911 PM Minderheitenrechte Familienausschuss Bundestag Doris Wagner AnhörungUnter der Überschrift „Die asymetrische Zuwanderung löst kein Problem“ hat der Münchner CSU-Abgeordneten Kollege Singhammer in der FAZ einen Artikel veröffentlicht. Dieser hat an vielen Stellen meinen Widerspruch provoziert, weshalb ich im entgegne:

„Lieber Johannes Singhammer,

ich bin ernsthaft schockiert über Ihren Beitrag zur Bevölkerungsentwicklung und Zuwanderung vom 9. Februar. Sie reihen sich damit ein in die Riege der Demokalyptiker, aber schlimmer noch, Sie befeuern die gefährlich Stimmung rechts von Ihrer eigenen Partei.

Die Geburtenrate sinkt schon seit Erfindung der Pille und der damit einhergehenden zunehmenden reproduktiven Selbstbestimmung und mit dem erfreulich gestiegenen Ausbildungsniveau von Frauen. Das ist sicher nicht, wie Ihre krude Verquickung suggeriert, auf die Zahl der zu Geflüchteten zurück zu führen.

Auf der anderen Seite wissen wir längst: in Ländern mit einem höheren Gleichstellungsindex werden mehr Kinder geboren. Außerdem wünschen sich Menschen in Deutschland durchaus mehr Kinder. Deshalb sollte man sich der Frage zuwenden, warum dieser Kinderwunsch nicht realisiert wird.  Das liegt vor allem an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der fehlenden Kinderbetreuung.

Herr Singhammer, wie wäre es mit einer Gleichstellungsoffensive statt mit einer zweifelhaften demografischen Offensive? Meine konkreten Vorschläge: Schließen Sie die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, schaffen Sie das  Ehegattensplitting ab, verbessern Sie die Betreuungsangebote und schaffen Sie ein Rückkehrrecht auf Vollzeit und flexiblere Arbeitszeiten. Dann noch weg mit dem unsozialen Betreuungsgeld und her mit der Kostenübernahme für künstliche Befruchtung für alle Paare.

Zu ihrer Angst vor den vielen jungen Männern. Sollte Ihnen entgangen sein, dass schon seit Wochen Frauen und Kinder nach Deutschland kommen. Getrieben von der Debatte der Unionsparteien und der drohenden, mittlerweile beschlossenen Verhinderung des Familiennachzugs, haben sie sich auf den gefährlichen Weg gemacht. Jeder einzelne Mensch, der bei dem Versuch nach Europa zu kommen im Mittelmeer ertrinkt, ist einer zu viel. Wie können Sie das und die Tatsache, dass Familien nicht zueinander kommen können mit dem „C“ und dem „S“ in Ihren Parteinamen vereinbaren?

Und wenn Sie es mit der Integration ernst meinen, dann sorgen sie dafür, dass die Geflüchteten nicht monatelang oder länger perspektivlos in Sammelunterkünften ausharren müssen. Das ist sozialer Sprengstoff für alle erdenklichen Personengruppen. Dezentrale Unterbringung, Deutsch- und Integrationskurse sowie eine Chance auf Arbeitsmarktzugang sind hier die Lösungswege. Und noch einmal: Lassen Sie die Beschränkung des Familiennachzugs. Wo sollte die Integration besser funktionieren als im Umfeld seiner Liebsten?

Lassen Sie uns gemeinsam an einer Willkommenskultur für Kinder und Geflüchtete arbeiten. Das kann die Alterung – die in meinen Augen kein Schreckensszenario sein muss –  dämpfen, kann die Sozialsysteme entlasten, ist darüber hinaus gut für die Volkswirtschaft und wird unsere Gesellschaft nach vorne bringen. Packen wir’s an.“

 

Den Beitrag von Johannes Singhammer findet ihr hier.

 

 

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