23. Mai 2016 – Besuch in der Diakonie Traunstein

Doris Diakonie

mit Margaret Winnichner (Mitte) und Marlis Neuhierl-Huber

Zusammen mit Malis Neuhierl-Huber, Beisitzerin im Kreisverband Traunstein, und Helga Mandl habe ich die Diakonie Traunstein besucht, um mit Margarete Winnicher, der zweiten Vorsitzenden, über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen zu sprechen.
Seit 2013 kümmert sich die Diakonie Traunstein um unbegleitete minderjährige Asylbewerber. In den Landkreisen Traunstein, Altötting und Mühldorf sind Wohngruppen entstanden, in denen seit November 2014 junge Männer eine neue Heimat finden, die bei ihrer Ankunft unter 18 Jahre alt waren. Im Gegensatz zu erwachsenen Asylsuchenden erhalten sie sozialpädagogische Begleitung im Rahmen einer Jugendhilfemaßnahme.

Fr. Winnichner erzählte uns von den Schwierigkeiten, die es anfangs in der Zusammenarbeit und Koordination mit den verschiedenen Behörden gegeben hat. Die verschiedenen Akteure mussten sich erst auf die neue Situation einstellen. Mittlerweile arbeiten aber alle gut zusammen. Auch die Zusammenarbeit von den „Profis“ und den ehrenamtlichen Helfern klappt sehr gut. Alle ziehen an einem Strang, um den Flüchtlingen die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern.

‚Natürlich kosten die sozialpädagogische Begleitung und die psychologische Betreuung Geld. Aber wenn man die persönlichen Geschichten der Jugendlichen hört, weiss man wie nötig manche von ihnen eine Rund-um-die Uhr-Betreuung brauchen‘, so Winnichner. Sie erzählte, dass die jüngsten Kinder, die aufgegriffen worden sind, gerade mal 10 und 12 Jahre alt waren. Diese Kinder haben bereits in ihren Herkunftsländern die Eltern verloren und haben sich bis hierher durchgeschleppt. Jetzt sind sie in einem Kinderheim untergebracht. Andere Jugendliche mussten zusehen, wie ihre Begleitpersonen auf der Flucht umgekommen sind. Für viele von ihnen sind die schrecklichen Bilder noch sehr präsent, sie träumen schlecht, werden nachts wach und können nicht schlafen. Manche von ihnen sind autoaggressiv und fügen sich selber Verletzungen zu. Um all den Anforderungen gerecht werden zu können und die Jugendlichen gut zu betreuen, hat die Diakonie 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Das wichtigste ist natürlich, dass die Jugendlichen schnellstens Deutsch lernen. Denn was alles schiefgehen kann, wenn man die Sprache nicht kennt, erzählte uns Fr. Winnichner an einem Beispiel: die jugendlichen Asylbewerber sollten im Supermarkt Traubensaft im Tetrapack kaufen, auf der Verpackung sind Trauben abgebildet. Weil die Jugendlichen nicht ausreichend Deutsch konnten, haben sie statt Saft Wein gekauft!

Auf meine Frage, ob in Traunstein auch Mädchen angekommen seien, erklärte uns Fr. Winnichner, dass die Mädchen fast alle in München untergebracht werden. Das sei sinnvoll, denn die Mädchen brauchen eigene Gruppen, was in München möglich ist.
Vieles von dem, was ich in Traunstein gehört habe, liest man auch in der Zeitung oder man sieht mal einen Bericht im Fernsehen. Aber wenn man die Erlebnisse der jugendlichen Asylsuchenden direkt von einem Menschen hört, der tagtäglich damit befasst ist, ist das doch noch mal etwas ganz anderes. Das hat mich wirklich bewegt.

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