23. Mai 2016 – Treffen mit den neu gewählten Jugendbeiräten in Traunstein

Felix Weiss, Johannes Müller und Michael Langwieder mit Doris Wagner

von links: Felix Weiss, Johannes Müller und Michael Langwieder

Schon im Oktober 2014 hatte ich Traunstein unter der Überschrift ‚Partizipation von Jugendlichen‘ besucht. Ich hatte mich mit einigen Jugendlichen im Jugendtreff getroffen, um mich über die Situation vor Ort zu informieren. Mittlerweile hat sich etwas getan in Traunstein: Seit November 2015 gibt es einen 12-köpfigen Jugendbeirat.
Ein guter Anlass, mich erneut mit den Jugendlichen zu treffen und mich zu erkundigen, wie sich die Arbeit im Jugendbeirat entwickelt. Von Seiten der Jugendlichen waren mit dabei Felix Weiss, Johannes Müller und Michael Langwieder. Die Drei berichteten mir, dass die Initiative für einen Jugendbeirat von der Stadt ausgegangen war.
Gut 2000 junge Menschen von 12 bis 21 waren aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Insgesamt standen 20 Bewerber_innen zur Wahl, die Wahlvorschläge konnten vom Kandidaten selbst kommen, aber auch von Freunden und Bekannten oder von Vereinen und Organisationen. 3 junge Frauen und 9 junge Männer wurden für zwei Jahre gewählt. Die Satzung wurde von der Stadt vorgegeben, die Geschäftsordnung haben sich die Jugendlichen selbst gegeben. Ein eigenes Budget hat der Jugendbeirat leider nicht.  Für jede Aktivität muss ein Antrag gestellt werden. Auch bei der ‚Mitbestimmung‘ sieht es düster aus. Weder Rederecht noch Stimme hat der Jugendbeirat im Stadtrat. Ich finde eigenständige Arbeit und Vertrauen in junge Menschen sieht anders aus.

Kaum im Amt, hatten die Drei gleich allerhand zu tun hatten. Es ging um ihr zukünftiges Jugendzentrum, das in einer alten Güterhalle untergebracht werden sollte. Ideen wurden geschmiedet und Konzepte ausgearbeitet. Und dann? Ja, dann gab es einen Bürgerentscheid, den die Gegner der alten Güterhalle knapp gewonnen haben. Es ist wirklich kaum zu fassen, aber es durften nur BürgerInnen über 18 an dem Bürgerentscheid über das Jugend(!)zentrum teilnehmen, dessen NutzerInnen in großer Zahl unter 18 sind. Wochenlanges Engagement war leider umsonst! Was nun wird mit einem neuen Jugendzentrum, weiß man noch nicht.

Aber die Jugendbeiräte haben sich nicht entmutigen lassen und hatten direkt eine neue Idee: sie möchten aus einem leer stehenden Café in einem städtischen Gebäude ein Jugendcafé machen. Ein Treff für Alle! Um sich zu treffen, gemeinsam Fußballspiele anzuschauen oder auch um bspw. den Jugendorganisationen der Parteien einen Ort für ihre Treffen anbieten zu können.
Für alle baulichen Veränderungen haben die Jungendlichen bereits selber ein Konzept erarbeitet. Leider gibt es von der Stadtverwaltung für die gewünschten Anpassungen keine Genehmigung. Und als der Bürgermeister hörte, das sie in ihrem Café an über 16-Jährige Bier und Wein ausschenken wollen, hat er gleich in einer Stadtratssitzung abgewinkt, ohne zuvor mit ihnen zu sprechen. Selbst die Jugendpflegerin lehnt im Rahmen ihrer Präventionsarbeit den kontrollierten Ausschank von Bier und Wein nicht ab. Alternativ würden die Jugendlichen doch dann auf Hütten oder Parks ausweichen. Das kann doch eigentlich niemand wollen!

Ich musste also feststellen, dass sie es nicht leicht haben, die jungen Leute! Sie werden ganz schön ausgebremst. Dabei bin mir ganz sicher, dass es doch in ihrem eigenen Interesse ist, aufzupassen, dass in ihrem Café nicht zu viel Alkohol ausgeschenkt wird. Sie wollen doch alle keinen Ärger, sie wollen einfach einen Platz, um unter sich sein zu können.

Und schließlich noch ein dritter Rückschlag in kürzester Zeit: Ein völlig veralteter Skaterpark sollte erneuert werden. Der Antrag an die Stadtverwaltung? Abgelehnt! Dafür ist kein Geld im Stadtsäckel.

Die drei Jugendbeiräte haben einen sehr engagierten Eindruck auf mich gemacht. Ich hoffe, dass die drei sich weiterhin für ihre Belange einsetzen, auch wenn es die Stadt ihnen nicht gerade einfach macht.

Um weiter in Kontakt zu bleiben, habe ich die Jugendbeiräte aus Traunstein für das nächste Jahr zu einer politischen Bildungsreise nach Berlin eingeladen. Außerdem wäre es toll, wenn ich im nächsten Jahr wieder nach Traunstein kommen könnte und das Treffen im Jugendcafé stattfinden würde.

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