25. Juli 2016 – Bioessen im Kindergarten, ein Park für die Bürger und die „Soziale Bürgerhilfe“: in Bergen möchte man gleich selber leben

Bürgermeister Stefan Schneider zeigte mir den Bergener Bürgerpark

Nach Bergen eingeladen hatten mich die beiden Ortsvorstände Gabi Krutzenbichler und Klaus Frank. Bergen ist ein Luftkurort an den Alpen, nur wenige Kilometer von Traunstein entfernt.  Besonders gefreut hat mich, dass sich Bürgermeister Stefan Schneider mehrere Stunden für meinen Besuch Zeit genommen hat. Stefan Schneider ist einer von 15 grünen Bürgermeistern in Bayern. Bei ihm hat man sofort das Gefühl: da hat jemand seinen Traum-Job gefunden.

Kindergarten-Essen: nebenan frisch gekocht, vollwertig und Bio

Unser erster Besuch führte uns in den Kindergarten und die Kinderkrippe von Bergen. Es läuft eigentlich alles sehr gut, erzählte uns die Leiterin Frau Zieher. In drei Gruppen werden die Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt begleitet. Seit Januar 2014 gibt es in Bergen auch eine Kinderkrippe für Kinder von 1 bis 3 Jahren. Tatsächlich wird die Krippe von den Eltern sehr gut angenommen, im vorigen Jahr war die Nachfrage so groß, dass sogar leider drei Kinder abgewiesen werden mussten. „Da werden wir das Angebot noch erweitern müssen“, stellte die Leiterin des Kindergartens fest.

Ganz stolz erzählte uns Fr. Zieher, dass seit der Umstellung des Essenangebotes viel mehr Kinder im Kindergarten essen, es wurde sogar ein extra Speiseraum geschaffen. Früher bezog der Kindergarten das Essen von einem großen Caterer, viele Eltern waren mit dem Angebot nicht zufrieden, den Kindern hat es nicht geschmeckt. Seit letztem Jahr ist für das Essen ein kleines Unternehmen aus dem nahen Traunstein zuständig, gekocht wird in einer Schulküche, die in der direkten Nachbarschaft liegt. Es gibt vollwertiges Essen aus biologischen Produkten. „Unsere Kinder bekommen viele vegetarische Gerichte. Aber die Lasagne z.B. schmeckt so gut, es fällt den Kindern gar nicht auf, dass da kein Fleisch drin ist“, erzählte Frau Zieher. Interessant ist zu hören, dass dieses gute Essen nur wenig teuerer ist, als das vorherige aus der Großküche. Es wäre schön, wenn Bergen hier eine Vorreiterrolle für andere Schulen und Kindergärten hätte.

Bürgerpark statt Kurpark
Den nächsten Stopp machten wir im Bergener Kurpark. Früher, so erzählte BM Schneider, war hier auf allen Grünflächen das Betreten verboten. Deshalb wurde der Park von den Bergener BürgerInnen auch kaum genutzt. Schneider wollte aber, dass der Park nicht nur von den Urlaubern besucht wird, sondern dass etwas für die  Bevölkerung auf dem Platz  stattfindet, sodass aus dem Kurpark ein Bürgerpark wird. Nun finden im Kurpark  Weihnachtsmärkte und Dorffeste statt. „Für mich ist es wichtig, dass die Leute selbst mitmachen. Es ist einfach gut, wenn sich die Vereine einbringen“, sagte BM Schneider. Den Leuten gefällt es offensichtlich auch, denn die Feste werden wirklich gut besucht.

Jugendliche wollten einen Dirtpark und bekommen ihn auch
In Kürze findet das zweite Treffen der Bergener Kinder und Jugendlichen mit dem Bürgermeister statt. Stefan Schneider erzählte von seinem ersten Treffen. Eingeladen hatte er 130 Kinder und Jugendliche, davon waren gut 70 junge Menschen ins Rathaus gekommen. In seiner Einführung hatte er den Jugendlichen gesagt, er würde gerne wissen, was die Jugend in Bergen vermisse und was man tun könnte. Er machte ihnen aber auch klar, dass dies kein „Wunschkonzert“ ist, und dass, wenn etwas umgesetzt werden soll, auch die Eltern mitmachen sollen. Das hat ganz gut geklappt. Fleißige Eltern machen mit und zusammen schaffen wir jetzt einen ‚Dirtplatz‘ und einen Beach-Soccer-Platz am Schwimmbad, so BM Schneider.
Mir gefällt es gut, dass Stefan Schneider die Dinge so unkompliziert angeht. In anderen Kommunen, die ich schon besucht habe, ist das leider nicht immer so der Fall, da hat man eher den Eindruck die jungen Menschen werden ausgebremst.

Gemeinsam mehr erreichen
Das ist der Slogan  der Sozialen Bürgerhilfe Bergen-Vachendorf e.V.
Klaus Frank, der erste Vorsitzende des Vereins erzählte uns, dass der Verein 2012 gegründet wurde. Anfangs, so der Vorsitzende, war es nur mit der Hilfe des Bundesfreiwilligendienstes möglich; alleine hätte der Verein es nicht geschafft, die  Basis-Finanzierung für einen 450-Euro-Job aufzubringen.  Alle weiteren Personen im Verein arbeiten ehrenamtlich. Die Kosten für das Büro und Telefon übernimmt die Gemeinde.
Der Verein bietet allen Bürgerinnen und Bürgern in allen sozialen Belangen und schwierigen Lebenssituationen Hilfestellung, wie z. B. Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, Kindern wird die Teilnahme an Klassenfahrten ermöglicht oder auch Zuschüsse für Schulausstattungen oder Geld für Weihnachtsgeschenke wird gewährt. Vorträge wie „Plötzlich Pflegebedürftig“ werden organisiert und selbstverständlich ist man auch beim Ausfüllen von Anträgen behilflich oder die Anträge werden gegengelesen.

Es interessierte mich natürlich, wie sich der Verein denn finanziert. Frank erklärte mir, dass der Verein mittlerweile mehr als 100 Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 12.- bis 36.-€ hat. Es gibt aber auch Unterstützer, die jährlich bis zu 1.000.-€ spenden. Hinzu kommen noch die sogenannten „Kuchenspenden“. Klaus Frank erzählte, dass im jährlich stattfindenden Kunsthandwerkermarkt im Kurpark Bergen fast 50 (!) Kuchen von ehrenamtlichen Helfern gespendet wurden, die zu Gunsten der Bürgerhilfe verkauft wurden.
Zu so viel bürgerschaftlichen Engagement kann man den Gemeinden Bergen und Vachendorf nur gratulieren. Auch die Arbeit dieses Vereins hat eine Vorbildfunktion.

Müssen alle Kommunen wachsen?
Als Fachpolitikerin für Demografie ist es für mich total spannend, mich mit den KommunalpolitikerInnen zu unterhalten. Auch in Bergen kam im Gespräch mit BM Stefan Schneider die Frage auf: muss eine Gemeinde wachsen, damit es ihr auch weiterhin gut geht? Ich freue mich jetzt schon auf einen weiteren Besuch in Bergen, bei dem wir das Thema ausführlich besprechen werden.

Share