25. März 2015 – AG Demografie: Haushaltsschecks zur Familienunterstützung?

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Mit Prof. Meier-Gräwe (rechts) und Franziska Brantner (links)

Familien fehlt es an Zeit. Diese Erkenntnis ist nicht neu und dennoch tut sich die Politik schwer, dem etwas entgegen zu setzen. Die sog. Rush-hour des Lebens ist gerade für junge Familien ein Problem, da sie vor vielfältigen Herausforderungen stehen: Karriere vorantreiben, Kinder erziehen, die pflegebedürftigen Eltern versorgen und sich am besten noch bürgerschaftlich engagieren.

In unserer AG Demografie wollen wir auch über den bundespolitischen Tellerrand schauen und erfahren, was wir von anderen Ländern lernen können. Prof. Uta Meier-Gräwe von der Uni Gießen stellte uns hierzu die Haushaltsschecks aus Belgien vor.

Die Idee: Familien können Gutscheine erwerben, die sie für eine Stunde Unterstützung im Haushalt einlösen können. Der Staat subventioniert die Gutscheine zu über 50 %. In Belgien führte dies – neben der sehr wirksamen Unterstützung der Familien – zu einer rapiden Abnahme der Schwarzarbeit in den privaten Haushalten. In Deutschland wird dieser Anteil momentan noch auf 90 bis 95 % geschätzt. Betroffen sind davon in erster Linie Frauen und MigrantInnen.

Die Entlastungs-, Beschäftigungs- und Wertschöpfungspotentiale der Gutschein-Regelung sind enorm. Belgien hat es geschafft, mit den Haushaltsschecks soziale Sicherung und Beschäftigung gerade für zuvor marginalisierte Gruppen zu fördern. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde erhöht, ebenso wie die Mobilität älterer Menschen. In Belgien arbeiten inzwischen knapp 4 % der Erwerbstätigen im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistung und sind sozialversichert. Auf Deutschland übertragen ergibt das ein Beschäftigungspotential von bis zu einer Million.

Ein sehr interessantes Modell, dass wir in unsere weiteren Überlegungen sicher einbeziehen werden.

 

Zum Hintergrund:
In der Bundestagsfraktion gibt es in dieser Legislaturperiode eine AG Demografie unter meiner Leitung. In ihr beschäftigen wir uns umfassend mit den demografiepolitischen Themenspektrum. Wir arbeiten politikfeldübergreifend mit den jeweiligen Fachabgeordneten zusammen. Die Arbeit ist in vier Themencluster unterteilt, die sich am Lebensverlauf orientieren: erste und mittlere Lebensphase, Best Agers/Alter und All Ages.

 

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