26. August 2014 – Jugendliche brauchen Raum zum Gestalten und Beteiligen

036_klein (1)Spannende Gespräche führte ich kürzlich beim Besuch des Dachauer Jugendzentrums Ost. Konkrete jugendpolitische Herausforderungen waren ebenso Inhalt wie die Frage nach demokratischer Beteiligung Jugendlicher und der Rolle der Medien im Lernprozess. Hintergrund meines Besuchs war die erste Schwerpunktsetzung innerhalb meiner Arbeit als demografiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion: welche Auswirkungen haben demografische Entwicklungen für junge Menschen?

Das Jugendzentrum, das bereits seit 35 Jahren besteht, bietet Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 26 Jahren viele unterschiedliche Angebote. Neben Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung werden dort auch Hilfestellungen bei der Jobsuche und bei Bewerbungen angeboten sowie viele verschiedene Beratungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Im Gespräch mit Katharina Seybold, der Leiterin des Jugendzentrums und Christine Wörthmann, der Leiterin der Abteilung Jugend der Stadt Dachau, konnte ich nicht nur das Jugendzentrum bestens kennenlernen, sondern auch über viele weitere wichtige Themen sprechen, die mich in Berlin bisher beschäftigt haben oder zu denen ich mich noch einbringen will. Mit dabei waren ferner der 2. Bürgermeister der Stadt, Kai Kühnel, meine Bundestagskollegin Beate Walter-Rosenheimer und die grünen Jugendreferentin aus Dachau, Luise Krispenz.

Eine der Fragen, die sich wie ein roter Faden durch das Gespräch zog, war die nach echter, ernst gemeinter Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Die Erfahrungen des Jugendzentrums zeigen, dass die Bereiche, bei deren Gestaltung die Jugendlichen selber ihre Ideen einbringen und tatsächlich umsetzen konnten, wesentlich sorgfältiger und verantwortungsbewusster behandelt werden als andere.

Ebenso wichtig ist auch die politische Partizipation von Kindern und Jugendlichen und so kam ich bei meinem Besuchstermin auch auf eine Absenkung des Wahlalters zu sprechen. Wir waren uns schnell einig, kombiniert mit verstärkter politischer Bildung von Kindern und Jugendlichen wäre eine Absenkung des Wahlalters durchaus eine Überlegung wert. Ein Projekt, das die Abteilung Jugend der Stadt Dachau gemeinsam mit dem Jugendzentrum Ost durchgeführt hatte, war zum Beispiel die „Spielstadt Dachau“, bei der Kinder und Jugendliche politische Abläufe spielerisch erproben konnten und das regen Zulauf fand.

Gerade Jugendliche fallen häufig durchs Raster dessen, womit sich Politik befasst. Kinderbetreuung, Leben im Alter und leere Rentenkassen sind viel diskutierte Themen. Die Belange der Heranwachsenden, fallen dabei viel zu oft hinten runter oder werden beiseite gedrängt. Sportplätze und Freizeitstätten für Jugendliche am Ortsrand, in der Nähe von Schnellstraßen oder allgemein in entlegeneren Gebieten sind leider keine Seltenheit. Dabei wäre es eigentlich wichtig, den Heranwachsenden ihren Platz in der Gesellschaft aufzuzeigen, anstatt sie an den Rand abzudrängen.

Eine Schwierigkeit in der Jugendarbeit stellt die rasante Entwicklung dar, die neue Medien heutzutage vollziehen. Hier ist es wichtig, medienpädagogische Programme zu entwickeln, die Jugendliche über einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihren persönlichen Daten aufzuklären.

Auch beim Thema sexuelle Orientierung besteht Nachholbedarf. Noch immer ist die Selbstmordrate unter homosexuellen Jugendlichen überdurchschnittlich hoch. In Jugendeinrichtungen spiegelt sich unter den BetreuerInnen auch nicht die volle Bandbreite an Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen wider. Die meisten der BetreuerInnen sind heterosexuell beziehungsweise werden als solches wahrgenommen. Hier fehlt nicht-heterosexuellen Jugendlichen leicht einmal ein Bezugspunkt oder ein Vorbild.

Das Gespräch im Jugendzentrum war hochinteressant und hat mir viele neue Impulse auf den Weg mitgegeben. Ich habe mich gefreut, dass ich so herzlich, sogar mit einem kleinen zweiten Frühstück, empfangen wurde. Vielleicht ergibt sich auch mal die Gelegenheit, ein paar Jugendliche aus dem Kreis Dachau mit auf eine Berlinfahrt zu nehmen.

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