26. August 2015 – Attraktivitätsagenda berücksichtigt zivile Bundeswehrangehörige kaum

150826 Doris Wagner Wehrtechnische Dienststelle fuer Luftfahrzeuge und Luftfahrtgeraet der Bundeswehr ManchingErfahrungsbericht vom Besuch der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge in Manching

Viele spannende Eindrücke und einige Kritikpunkte an der Attraktivitätsagenda „Bundeswehr in Führung“ habe ich bei meinem Besuch der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr in Manching mitgenommen.

Die „WTD 61“, wie die Dienststelle kurz heißt, erprobt Luftfahrtgeräte der Bundeswehr. Mit rund 530 Dienstposten und vielen Auszubildenden werden Transport- und Kampfflugzeuge sowie Hubschrauber der Bundeswehr auf Herz und Nieren getestet, bevor diese in Einsätze gehen dürfen. Das findet hauptsächlich in Manching statt, aber auch an vielen Einsatzorten rund um den Globus. Dienststellenleiter Wolfgang Steiger stellte mir die WTD 61 vor und ermöglichte mir insbesondere auch den direkten Kontakt zu MitarbeiterInnen der Dienststelle, mit denen ich mich zu Frauen in der Bundeswehr und zur Attraktivitätsagenda austauschte.

Ein wesentlicher Kritikpunkt dabei war, dass sie sich in erster Linie an Soldatinnen und Soldaten wendet und dabei vernachlässigt, dass rund ein Viertel aller Bundeswehrangehörigen ZivilistInnen sind. Sie wurden und werden bei vielen der Verbesserungen der Agenda nicht berücksichtigt. Weiteres Problem gerade für die Angehörigen der WTD61 ist die Lage des Standortes, die bei der Bezahlung kaum berücksichtigt wird. Die früher üblichen Ortszuschläge sind größtenteils wegfallen und so gibt es keinen Ausgleich für die hohen Mieten vor Ort. Auch für die Bundeswehr insgesamt ist die Attraktivität der Region Ingolstadt durchaus eine Herausforderung. Viele andere Unternehmen konkurrieren um gut ausgebildete Fachkräfte und bezahlen gleichzeitig deutlich besser.

Aber auch viele Prozesse und Regelungen innerhalb der Bundeswehr könnten besser strukturiert und entbürokratisiert werden. Das würde deutliche Erleichterungen für die Beschäftigten bringen. Einige Beispiele:

  • Die Teilnahme an Lehrgängen an anderen Dienstorten wird häufig mit nur wenigen Tagen Vorlaufzeit mitgeteilt. Hier könnten mehr Informationen (Transparenz über die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme und die konkreten Liegenschaften, insbesondere hinsichtlich Barrierefreiheit) und Unterstützung bei der Vorbereitung (Anreise, Vertretung, Kinderbetreuung etc.) die Arbeit erleichtern.
  • Gemäß der Arbeitszeitrichtlinie der Bundeswehr dürfen sich maximal zwei Personen einen Dienstposten teilen. Wenn beide Personen gemeinsam weniger als 100 Prozent des Dienstpostens arbeiten, bleibt der Rest unbesetzt. Die WTD 61 hat damit fünfeinhalb Dienstposten dauerhaft nicht besetzt, obwohl das Geld zur Verfügung stünde und natürlich auch genügend Arbeit zu erledigen wäre.
  • Die Feuerwehr ist nicht vollständig und flexibel mit Personal besetzt. Deshalb muss der Flugbetrieb immer wieder tageweise ausgesetzt werden oder (von der WTD ausgebildetes) Personal muss teuer von Airbus ‚ausgeliehen‘ werden.
  • Auch die Einrichtung eines Arbeitsplatzes zuhause sei noch immer schwierig und dauere oft monatelang, teilweise länger als ein Jahr. Gerade für Menschen, die tageweise keine andersweitige Betreuung der eigenen Kinder oder pflegebedürftiger Angehöriger arrangieren können, ermöglicht die Arbeit von zu Hause die notwendige Flexibilität.
    Hier muss die Bundeswehr noch besser werden und schneller auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Beschäftigten reagieren. Im konkreten Fall eines jungen Vaters ging die Einrichtung zwar schnell, weil ein Computer bereits eingerichtet war. Die Arbeit von zuhause ist trotzdem nur durch einen befristeten Notfallerlass der Dienststelle möglich.

 

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