8. September 2015 – Laudatio Demografiepreis

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Bei meiner Laudatio

Wie gelingt es, junge Menschen für Politik und Engagement zu begeistern? Wie finden die Jungen Gehör in einer alternden Gesellschaft? Was heißt Generationengerechtigkeit, wenn mehr und mehr WählerInnen in Rentenalter sind? Diese Fragen beschäftigen mich als Politikerin und als demografiepolitische Sprecherin im Besonderen.

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch die Stiftung für die Rechte der zukünftigen Generationen (SRzG) und hat einen Preis für junge WissenschaftlerInnen ausgelobt. Dieser wurde am Dienstag im Rahmen des Demografie-Kongresses „Best Age“ vergeben und ich wurde eingeladen, die Laudatio zu halten. Das habe ich sehr gerne getan.

Meine Laudatio

150908 Demografiepreis SRzG Martin Speer

Martin Speer, der Gastgeber für die SRzG

Mir war es wichtig zu unterstreichen: Die demografische Entwicklung ist kein unabänderliches Schicksal, sondern eine gestaltbare Zukunftsaufgabe. Und dafür brauchen wir alle: Starke uns Schwache, Menschen in der Stadt und auf dem Land und eben auch Ältere und Jüngere. Ich verstehe meine Aufgabe als Politikerin, künftigen Generationen einen mindestens so großen Gestaltungsspielraum zu erh
alten, wie wir ihn heute haben. Der Preis verfolgt das selbe Ziel, indem innovative, kreative und praxisrelevante Konzepte gesucht wurden. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf die Erhöhung der Wahlbeteiligung junger Menschen.

Absenkung des Wahlalters

Ich bin überzeugt: Unsere Demokratie nimmt Schaden, wenn sich ganze Gruppen einer Mitwirkung verschließen. Es sind beispielsweise die Jungen und Menschen in prekären Verhältnissen, die unterdurchschnittlich zur Wahl gehen. In unserem Partizipationsantrag haben wir dazu Vieles gefordert; zentral ist mir dabei die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Diese Forderung ist nicht neu, aber so lange sich nicht bewegt, müssen wir da dran bleiben.

Partei der Generationengerechtigkeit

Wir Grünen verstehen uns als die Partei der Generationengerechtigkeit. Es geht nicht darum, Generationen gegeneinander auszuspielen. Vielmehr wollen wir allen Altersgruppen und sozialen Milieus ein gutes Leben ermöglichen. Meine Vorstellungen von Generationengerechtigkeit davon sind so bunt wie das Leben: ein konsequenter Umwelt- und Klimaschutz, eine gerechte Steuerpolitik, eine Schuldenbremse und nachhaltige Haushaltpolitik, durchmischte Quartiere und Investitionen in die Zukunft: Betreuung, Breitband, Barrierefreiheit und Bildung. Dabei ist eine Frage nicht zu vergessen: Wie lösen wir das strukturelle Problem unseres politischen Systems, das tendenziell die Gegenwart bevorzugt und die Zukunft vernachlässigt.

 

Die Preisträger

150908 Demografiepreis Preisträger SRzG Berlin Wahlbeteiligung junger Menschen

Die glücklichen Preisträger des Demografiepreises

Ich durfte gleich vier PreisträgerInnen auszeichnen:

Den ersten Preis gewann Charlotte Snelling für ihre Arbeit „Questioning the turnout-raising potential of educational expansion“. Darin zeigt sie, dass bessere Bildung alleine nicht das Problem geringer Wahlbeteiligung lösen könne. Vielmehr bedürfe es spezieller Angebote politischer Bildung. Für ihre Arbeit nutzte Sie Umfragedaten 18- bis 25jähriger Briten, die zu bürgerschaftlichem Engagement und politische Beteiligung befragt wurden.

Der zweite Preis ging an Thomas Tozer. Er beschäftigte sich mit Anreizen zur Erhöhung der Wahlbeteiligung und diskutiert in seiner Arbeit eine Wahlpflicht und finanzielle Anreize. Diese Anreize könnten verknüpft werden mit Informations- und Diskussionsveranstaltungen.

Jonas Israel und Maximilian Brenker erreichten den dritten Platz. Sie untersuchten die „Mobilisierung von Jungwählern durch kommunale Online-Wahlhilfen – anhand des lokal-o-mat“. Mithilfe anonymer Protokolldateien konnten sie zeigen, dass solche Wahlhilfen überdurchschnittlich junge Menschen ansprechen. Ihre Verknüpfung von Theorie und Empirie überzeugte die Jury.

 

Es war sehr spannend, dass all diese talentierten Nachwuchwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ihre Arbeiten persönlich vorstellen konnten.

Ich danke der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen und deren Gastgeber Martin Speer für die Auslobung des Demografie-Preises und des BehördenSpiegels, im Rahmen deren Demografie-Kongresses die Preisverleihung stattfinden konnte.

 

 

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