28. Januar 2016 – AG Demografie: Inklusive Sozialräume

160125 AG Demografie zu Inklusiven Sozialraeumen mit Albracht Rohrmann

Mit Prof. Rohrmann (2.v.l.) und meinen Kolleginnen Corinna Rüffer (r.) und Elisabeth Scharfenberg (l.)

Alte und behinderte Menschen haben oftmals ähnliche Bedürfnisse. Doch die Sozialgesetzbücher trennen beide Bereiche scharf und erschweren somit, die Schnittstellen zu bearbeiten. Dies widerspricht unseren Verständnis von Inklusion, wonach jedem Menschen seinen/ihren Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen ist.

In der Pflege spielten Teilhabe, Eingliederung und Inklusion lange keine Rolle. Vor dem Hintergrund der aktuellen Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs stellt sich zudem die Frage, wie dieser teilhabeorientiert umgesetzt werden kann?

Als Experte hatten wir Prof. Albrecht Rohrmann zu Gast, der an der Uni Siegen Sozialpädagogik mit den Schwerpunkten Soziale Rehabilitation und Inklusion lehrt. Er wies darauf hin, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf oftmals Ausgrenzung ausgesetzt sind – egal ob in der Pflege oder Eingliederungshilfe. Viel zu oft werde von einem stationären Hilfebedarf ausgegangen, was nicht selten zu einer Überversorgung führt. Verstärkt wird dies durch finanzielle Anreize für die Träger der stationären Einrichtungen. Dies widerspricht der UN-Behindertenrechtskonvention, nach der die Wahl des Wohnorts und der Wohnform frei gewählt werden kann (Art. 19). Von einer gleichberechtigten Teilhabe kann in Deutschland also nicht gesprochen werden.

Rohrmann weiter: Pflege und Eingliederungshilfe können zwar zur Teilhabe beitragen, aber nicht von sich aus. Eine (kommunale) Steuerung könnte Senioren- und Pflegepolitik mit der Daseinsvorsorge verbinden und so eine inklusiven Sozialraum ermöglichen. Selbstverständlich müssen die Kommunen auch in die Lage versetzt werden, diese Koordinierung zu leisten. Lokale Anlaufstellen wie Teilhabezentren könnten auch weiter Felder sozialer Hilfen zusammenführen und Selbsthilfe organisieren. Dies wäre ein wirklicher Schritt für mehr Partizipation und Teilhabe.

Anschließend diskutierten wir, wie auch in stationären Einrichtungen die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten erhöht werden könnten und inwiefern die Alterung der Gesellschaft den politischen Druck für Veränderungen erhöht. Wir problematisierten den Neubau stationärer Einrichtungen und das Bundesteilhabegesetzt, das die Schnittstellen zur Pflege weiter unbeachtet lässt. Über die Wichtigkeit einer träger- und einrichtungsunabhängigen Beratung bestand Einigkeit.

 

Zum Hintergrund:

In der Bundestagsfraktion gibt es in dieser Legislaturperiode eine AG Demografie unter meiner Leitung. In ihr beschäftigen wir uns umfassend mit den demografiepolitischen Themenspektrum. Wir arbeiten politikfeldübergreifend mit den jeweiligen Fachabgeordneten zusammen. Die Arbeit ist in vier Themencluster unterteilt, die sich am Lebensverlauf orientieren: erste und mittlere Lebensphase, Best Agers/Alter und All Ages.

 

 

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