30. März 2016 – Besuch beim japanischen Generalkonsul Yanagi

Doris Wagner und Generalkonsul Hidenao Yanagi

Doris Wagner und Generalkonsul Hidenao Yanagi

Ich habe mich sehr über die Gesprächseinladung des japanischen Generalkonsuls Hidenao Yanagi gefreut und bin ihr gerne gefolgt.
Herr Yanagi hatte mich zu einem Austausch über die Themenkomplexe Demografie, Wirtschaft und Außenpolitik eingeladen. Ich habe gerne zugesagt und, da Japan noch stärker altert als Deutschland, war ich gespannt darauf, was er mir dazu berichten konnte.

Alter

Die japanische Gesellschaft altert und viele junge Menschen leben weit entfernt von ihren Eltern in den großen Städten. Damit ältere Menschen, wenn sie alleine leben, trotzdem sicher sein können, dass ihnen jemand im Notfall zur Hilfe kommt, gibt es bei uns das System sogenannter Hausnotrufe. Mit Hilfe eines kleinen Geräts, das um den Hals getragen wird, kann jederzeit ärztliche Hilfe gerufen werden. In Japan wurde dieses System noch erweitert. Optional können im Haus Wärme- und/oder Bewegungssensoren angebracht werden, die beispielsweise registrieren, wenn eine Herdplatte unbeabsichtigt angelassen wurde oder jemand gestürzt ist. Automatisch werden entsprechende Einsatzkräfte verständigt. Das Gerät ist zudem ein sehr einfach bedienbares Telefon und informiert – bei entsprechender Einstellung – nahe Verwandte per E-Mail über Zwischenfälle.

Trotz der starken Alterung der Gesellschaft gibt es in Japan praktisch keine Zuwanderung. Dennoch begegnet die japanische Regierung dem Problem mangelnder Pflegekräfte, indem sie gezielt Personal aus Vietnam, Indonesien und von den Philippinen anwirbt. Schon vor dem Umzug nach Japan sind Sprachkurse Pflicht. Nach einigen Monaten vor Ort muss eine fachliche und eine Sprachprüfung abgelegt werden, um endgültig als Pflegekraft tätig sein zu können.

Angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft wird sowohl in Deutschland als auch in Japan eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. In Japan setzt sich die Rente aus zwei Bestandteilen zusammen. Einer Grundrente, die jedem zusteht, und in die alle unabhängig vom Einkommen einzahlen sowie einer einkommensabhängigen Arbeitnehmerrente, die jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt wird. Mit 62 Jahren erreichen JapanerInnen derzeit das Rentenalter und bekommen die Rente unabhängig davon, ob sie tatsächlich zu Arbeiten aufhören oder nicht. In der Konsequenz führt das dazu, dass JapanerInnen mitunter bis zum Alter von 70 Jahren weiterarbeiten.

Der letzte Aspekt der Demografiepolitik, auf den Yanagi und ich zu sprechen kamen, ist die Wahlbeteiligung. Da diese wie bei uns niedrig ist und weiter sinkt, wurde als Gegenmaßnahme das Wahlalter von 20 auf 18 gesenkt. Da auch wir einer alternden Gesellschaft bei gleichzeitiger sinkender Wahlbeteiligung der Jüngeren gegenüberstehen, könnten wir uns hier Japan zum Vorbild nehmen.

Wirtschaft

Auch im Bereich der Wirtschaft gab es einiges zu besprechen. München ist nach Düsseldorf die Stadt, in der am meisten JapanerInnen sowie japanische Unternehmen ansässig sind. Bemerkenswert ist außerdem die Zahl der japanischen Übernachtungen in München, das waren im Jahr 2014 181.071 Personen. Ein beachtlicher Anteil an 13,4 Millionen Übernachtungen insgesamt in München.

Im Jahr 2015 waren das 4444 Personen und 159 Unternehmen allein in München. Die Schwerpunkte in München ansässiger Unternehmen liegen dabei im Bereich der Zulieferung im Automobilbereich sowie bei Patentfachleuten, da ja auch das Europäische Patentamt in München ansässig ist.

Sicherheit

Zuletzt kamen wir noch auf die Außen- und Sicherheitspolitik zu sprechen und auch ganz konkret auf die Lage im südchinesischen Meer, wo zwischen China und den übrigen Anreinerstaaten schon seit den 1950er Jahren Konflikte bestehen, die auch heute immer wieder neu aufflammen. Japan unterstützt wie Deutschland die Initiative der Philippinen, in dieser Sache den internationalen Seegerichtshof (ISGH) in Hamburg anzurufen und in dem Konflikt eine völkerrechtliche Lösung zu suchen. Bislang ist China aber nicht bereit, sich an dem Verfahren vor dem ISGH zu beteiligen.

Insgesamt ein spannendes Gespräch über verschiedene Aspekte japanischer und auch deutscher Demografie-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Interessant ist vor allem im Bereich der Demografiepolitik die Ähnlichkeit der beiden Länder und der unterschiedliche Umgang mit den demografischen Herausforderungen vor die uns die alternde Gesellschaft zunehmend stellt.

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