4. Februar 2015 – ‚Wir sind Demografie‘ – Tour durch Oberfranken

Bei Connect.

Beim Unternehmen connect.

Viele positive Begleiterscheinungen der demografischen Entwicklung

Ganz im Zeichen der demografischen Entwicklung stand meine Besuchsreihe in Oberfranken. Es ist mir wichtig, meine Arbeit im Bundestag mit den Menschen und Organisationen vor Ort zu verknüpfen. Da wir uns im Bundestag momentan mit der Bedeutung der demografischen Entwicklung für Kinder und Jugendliche beschäftigen, wollte ich insbesondere sehen, wie die Situation vor Ort ist. Es hat mich sehr gefreut, dass ich bei allen Terminen von den regionalen Amts- und MandatsträgerInnen der Grünen begleitet und unterstützt wurde.

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v. l.: Stefan Rau, Christine Schoerner, Stefan Schmidt, ich, René Leibold und Georg Hofmann

Wichtig ist es, gerade in Regionen wie Oberfranken, die stark von strukturellen und demografischen Entwicklungen betroffen sind, niemanden auf der Strecke zu lassen. Diese Grundhaltung deckt sich mit den Arbeitsbereichen des Unternehmes connect., die uns die beiden Geschäftsführer René Leibold und Georg Hofmann vorstellten. Das Unternehmen hat zwei Standbeine. So betreut das in Neustadt bei Coburg ansässige Unternehmen Transfergesellschaften und versucht, die von Betriebsschließungen betroffenen Menschen wieder in Arbeit zu bringen bzw. ihnen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Hierbei spielen Fort-und Weiterbildungen für un- und angelernte Arbeitskräfte häufig eine entscheidende Rolle. Die Erfolgsquote von über 78 Prozent zeigt einerseits das große Engagement des Unternehmens, andererseits aber auch die Bedeutung von Qualifikationen für den (in Oberfranken noch stark von Industrie geprägten) Arbeitsmarkt. Als zweites Standbein unterstützt connect. Jugendliche für Bewerbungen und schult ihr Auftreten in Assessment-Centern.

Engelhardt-Wölfler

Zu Besuch bei Prof. Engelhardt-Wölfler (3. v.l.)

Meine nächste Gesprächspartnerin auf der Tour war Frau Professor Henriette Engelhardt-Wölfler vom Lehrstuhl für Demografie an der Universität Bamberg. Dass die die demografische Entwicklung ein Megatrend ist, spiegelt sich in der Wissenschaftslandschaft noch nicht wider. Frau Engelhardt-Wölfler hat die einzige Professur zu diesem Thema in ganz Bayern, Studiengänge dazu gibt es gar keine. Besonders wichtig ist laut Frau Engelhardt-Wölfler die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Weniger Altersarmut bei Frauen, Frauen könnten dem Arbeitsmarkt besser zur Verfügung stehen, durch haushaltnahe Dienstleistungen würden Arbeitsplätze geschaffen, um nur einige Aspekte zu nennen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung also eine ganze Reihe positiver Effekte. Für mich ist diese Aussage ein klarer politischer Handlungsauftrag. Interessant fand ich auch, dass Schwangerschaft offenbar „ansteckend“ ist. Wird eine Frau im Kollegium schwanger, folgen bald weitere Schwangerschaften. Allerdings sind die näheren Zusammenhänge noch nicht abschließend ausgewertet.

Beim Kickern im Jugendzentrum

Beim Kickern im Jugendzentrum

Mit leckeren Frucht-Cocktails wurden wir schließlich im Jugendheim Baunach empfangen. In der dortigen Umgebung ist es gelungen, mehrere kleine Kommunen in der Jugendarbeit zusammen zu bringen. Bei anderen kommunalen Aufgaben gibt es solche Verwaltungsgemeinschaften schon, in der Jugendarbeit ist das noch neu. So gibt es in der Region um Baunach mehrere Jugendtreffs, die ihre Angebote miteinander koordinieren. Außerdem legt „iSo –innovative Sozialarbeit“, der Träger der Jugendarbeit dort, großen Wert darauf, Jugendliche in ihrer Lebenswelt zu erreichen und zu begleiten. Das heißt, dass die BetreuerInnen nicht nur im Jugendzentrum arbeiten, sondern rausgehen, dahin wo sich die Jugendlichen aufhalten. Zwei Besonderheiten gibt es dort: Unter dem Dach des Jugendheims lebt auch eine Familie in guter Nachbarschaft mit den Jugendlichen und die Außenstelle der Volkshochschule bietet dort Yoga-Kurse an. Das führt immer wieder zu spannenden Zusammentreffen.

Bayreuth

Mit Ulrike Gothe (4. v.l.), MdL, bei den Bayreuther Grünen

Den Abschluss eines intensiven Tages mit vielfältigen neuen Einblicken bildete das Treffen mit den Bayreuther Grünen. Es hat mich sehr gefreut, dass auch die Landtagsvizepräsidentin, unsere Landtagsabgeordnete Ulrike Gote mit dabei war. Die beiden Bezirksvorsitzenden Christine Schoerner und Gerhard Schmid hatte bereits zuvor die Termine in Coburg und Bamberg begleitet. Ich hatte Gelegenheit von meinen Terminen zu berichten. Und wir haben noch viele der Themen des Tages vor dem Hintergrund der großen demografischen Herausforderungen in Oberfranken diskutiert, bevor wir den Tag in lockerer Atmosphäre ausklingen ließen.

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v.l.:Christine Schoerner, Wilhelm Wenning (Regierungspräsident Oberfranken), ich, Gerhard Schmid, Dr. Peter Schenk

Am zweiten Tag stand zunächst ein Gespräch mit dem Regierungspräsidenten Oberfrankens, Wilhelm Wenning, und dem Geschäftsführers des Lenkungskreises zur Demografiepolitik in Oberfranken, Dr. Schenk auf dem Programm. Hier wollte ich einige Hintergründe erfahren, wie stark demografische Entwicklungen das Handeln der politischen Akteure vor Ort beeinflussen. Herr Schenk verschaffte mir einen guten Eindruck. Seine Aufgabe ist es, demografierelevante Themen für die Regierung von Oberfranken zu identifizieren und hinsichtlich möglicher Handlungsansätze zu beraten. Besonders beeindruckt hat mich ein Projekt, das er vorstellte: Menschen bieten gegenseitig über eine ‚Ehrenamtsbörse‘ Unterstützung an. So kann beispielsweise jemand, der nicht mehr gut zu Fuß ist, die stundenweise Hausaufgabenbetreuung von Kindern übernehmen und sich im Gegenzug den Rasen mähen lassen. Eine tolle Idee gerade für Menschen, die in späteren Jahren auf sich alleine gestellt sein werden. Nachbarschaftshilfe wird „angespart“ und später eingelöst. Ich finde das nachahmenswert auch für andere Regionen, unabhängig von der demografischen Entwicklung vor Ort.

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v.l.: Christine Schoerner, Christian Porsch (Kreisjugendring Bayreuth), ich, Landrat Hermann Hübner.

Der Kreisjugendring in Bayreuth war die letzte Etappe meiner Besuche. Ein ganzes Jahr haben sie der demografischen Entwicklung gewidmet. Der Vorsitzende Christian Porsch stellte mir die Ergebnisse des Themenjahres „Jugendarbeit und Kommunalpolitik gegen Abwanderung“ vor. Es wurden umfangreiche Leitziele für das Jahr 2030 erarbeitet. Beispielsweise sollen künftig alle Kinder individuell nach ihren Talenten gefördert werden. Auf dieser Basis wurden Jahresziele für 2015 formuliert. Konkrete Maßnahmen sind mittlerweile angelaufen und sollen weiter umgesetzt werden. So sollen Orte der Begegnung und des Generationendialogs geschaffen werden. Besonders wichtig sind dem Kreisjugendring attraktive Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Evaluationen sollen aufzeigen, was sich die jungen Menschen genau wünschen.

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Bei der Bezirksversammlung Oberfranken in Coburg

Den Abschluss der Tour bildete mein Vortrag zur demografischen Entwicklung bei der grünen Bezirksversammlung Oberfranken. Wir hatten eine sehr lebhafte und emotionale Debatte zu den Fragen, wann arbeitet wer wieviel, wie können ältere Menschen länger tätig sein bzw. welche Mitwirkungsmöglichkeiten haben bzw. brauchen eigentlich junge Menschen in einer alternden Gesellschaft. Ein klares Zeichen für mich, dass wir zu diesen und den weiteren Aspekten der demografischen Entwicklungen noch Vieles zu diskutieren haben und ich freue mich auf diese Diskussionen.

 

Die Neue Presse Coburg berichtete über meinen Besch bei connect. in Neustadt:

Zeitungsartikel Passauer Neue Presse

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