4. März 2015 – AG Demografie: Familie an vielen Orten

Expertengespräch mit Dr. Schier (Mitte)

Beim Expertengespräch mit Dr. Schier (Mitte) und Katja Dörner (rechts)

Unser Arbeitsprozess nimmt Fahrt auf. In dieser Woche sind wir mit unserer Arbeitsgruppe Demografie in das zweite Themencluster gestartet. Nachdem wir zuvor die Situation von Kindern und Jugendlichen unter die Lupe genommen haben, beschäftigen wir uns nun mit den Menschen im Erwerbsleben. Die demografische Entwicklung stellt uns auch hier vor Herausforderungen und bietet Chancen. Wir werden uns anschauen, wie Familien in der sog. „Rush hour des Lebens“ unterstützt werden können, was Zeitpolitik für Geschlechtergerechtigkeit erreichen kann, wie wir unsere Arbeitskultur mit gesundem Arbeiten verbinden können und welche Strategien gegen den Fachkräftemangel erfolgversprechend sein können. Darüber hinaus wollen wir auch die übergreifenden Themen behandeln und uns fragen, wie wir unsere sozialen  Sicherungssysteme zukunftsfähig machen können und welche Antworten unser grünes Konzept zu Wachstum und Wohlstand für die veränderte Bevölkerungsstruktur liefert.

Für unsere erste Sitzung haben wir Dr. Michaela Schier von Deutschen Jugendinstitut in München eingeladen. Sie sprach zu „Herausforderungen aktueller Trends der räumlichen Organisation von Familie und Generationenbeziehungen“. Es ging also um Familien, die an verschiedenen – und nicht selten weit entfernten – Orten leben.  Dies hat unterschiedliche Gründe: zunehmende Anforderungen an berufliche Mobilität, höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, häufigere Trennungen und Scheidungen, Patchwork Konstellationen und neue Lebensstile. In diesen „multilokalen Mehrgenerationenfamilien“ leben immer seltener erwachsene Kinder in der Nähe ihrer Eltern, und die Entfernungen nehmen weiter zu. Trotz moderner Kommunikationsmittel stellt dies die Beteiligten vor große Herausforderungen und sie bedürfen der Unterstützung: Sei es die Anerkennung ausländischer Schulleistungen, Berufsabschlüsse und Rentenanwartschaften oder um bessere Regelungen des Familiennachzugs. Die Politik muss die wachsende Bedeutung von Distanz anerkennen und zirkuläre Mobilität, d.h. Mehrfachwanderungen zwischen Herkunfts- und Aufnahmeländern, erleichtern.

Wir kamen zu dem Schluss, dass Leitbilder und Konzepte überdacht werden müssen; dies betrifft Regelungen im Sozial-, Familien-, Arbeits-, Steuer-, Melde- und Migrationsrecht. Unterstützende Betreuungsangebote gehören ausgebaut und staatlichen Stellen benötigen mehr Flexibilität in den Einzelfällen. Informationskampagnen und die Förderung von Datenerhebung und Forschung sollten dies flankieren.

Ein rundum gelungener Auftakt in den neuen Themencluster zur mittleren Lebensphase.

 

Zum Hintergrund:
In der Bundestagsfraktion gibt es in dieser Legislaturperiode eine AG Demografie unter meiner Leitung. In ihr beschäftigen wir uns umfassend mit den demografiepolitischen Themenspektrum. Wir arbeiten politikfeldübergreifend mit den jeweiligen Fachabgeordneten zusammen. Die Arbeit ist in vier Themencluster unterteilt, die sich am Lebensverlauf orientieren: erste und mittlere Lebensphase, Best Agers/Alter und All Ages.

 

Share