5. Oktober 2016 – Das 50/50-Prinzip. Kann Familienarbeit wirklich gerecht teilbar sein?

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Erfahrungsaustausch über Familienarbeit

Fraktionskollege Dieter Janecek und ich haben zusammen aus dem Buch „Papa kann auch stillen“ von Stefanie Lohaus und Tobias Scholz vorgelesen. Das Paar erzählt darin von ihrem – offenbar gelungenen – Versuch, nach der Geburt des gemeinsamen Kindes die Familienarbeit aufzuteilen. Und zwar nicht irgendwie, sondern tatsächlich 50/50. Sie und er verbringen die gleiche Zeit mit dem Kind, mit Arbeit, mit ihren Hobbys, und das mit einer erstaunlichen Konsequenz.

Unsere Gäste berichteten von sehr unterschiedlichen Modellen, wie sie selbst und wie Paare überhaupt Kind, Job und Abwasch unter einen Hut bekommen. Die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland sind nach wie vor unzureichend – wir hinken da weit hinter skandinavischen Ländern oder Holland her, wo es nicht nur flexiblere Arbeitszeitmodelle, sondern auch weit bessere Betreuungsstrukturen für die Kinder berufstätiger Eltern gibt.

Der Klassiker – Mann macht Karriere, Frau bleibt zuhause – ist bei uns nach wie vor die gängige Rollenverteilung und wird von der Union insbesondere in Bayern nach wie vor protegiert. Mit den bekannten Folgen: Frauen sind viel stärker von Altersarmut bedroht, weil sie sich in der Partnerschaft zu selten um eine angemessene Alterssicherung als Gegenleistung für die Familienarbeit kümmern. Und Karriere lässt sich kaum mehr machen, wenn sie einige Jahre vom Markt verschwunden war.

Es fehlen die beruflichen Angebote, die eine angemessene Aufteilung der Berufszeit für beide Elternteile ermöglichen. Dafür kämpfen wir. Manche Unternehmen haben das inzwischen begriffen und entwickeln entsprechende Konzepte, aber sie sind noch viel zu selten.

Ein Paar unter unseren Gästen stellt das Rollenmodell gerade komplett auf den Kopf. Der Mann hat die volle Elternzeit genommen. „Dafür braucht es die passende Frau“, sagt er. Sie verdient das Geld, er leistet die Familienarbeit. Erstaunlich exotisch, im Jahr 2016. Er habe aus seinem Umfeld von Beginn an viel positives Feedback erhalten, „bis hin zum Neid“, erzählt er. Und seine Partnerin ergänzt: „Er kann wirklich stillen.“ Perfekt.

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