6./7. Oktober 2014 – Männerpolitik, Beiträge zur Gleichstellung der Geschlechter

Männerpol 1

Am 6. und 7. Oktober fand in Wien die zweite europäische Konferenz zu Männerpolitik statt, nachdem vor zwei Jahren die erste Konferenz dieser Art in Berlin veranstaltet wurde.

‚Männeremanzipation führt heraus aus einem einengenden Männlichkeitsverständnis mit Erwerbsarbeit als zentralem identitätsstiftenden Bezugspunkt … Kommen Männer dadurch in Balance, dient das dem Wohle aller, insbesondere auch einem partnerschaftlichen Rollenverständnis‘, so steht es im Einführungstext zur Konferenz.

Es formiert sich derzeit eine sehr ernstzunehmende männerpolitische Bewegung in Europa. Und mit dem Dachverband ‚bundesforum männer‘ gibt es in Deutschland jetzt ein Pendant zum Deutschen Frauenrat. Die Mitglieder zeigen, wie Männer Verantwortung übernehmen … als Väter, Partner und Arbeitnehmer. Es bieten sich Möglichkeiten der Zusammenarbeit, Möglichkeiten in die gleiche Richtung an einem Strang zu ziehen.

Männerpol 2Neben dem bundesforum männer waren zahlreichen Organisationen, PolitikerInnen und Aktive vertreten, die das ganze Spektrum der männerpolitischen Themen abgedeckt haben. Eine interessante Veranstaltung, an der ich leider nur am ersten Tag teilnehmen konnte.

Ich möchte kurz auf ein paar Vorträge eingehen:

Rollenbilder verändern sich: Jörg Flecker von der Universität Wien hat über ‚Männerrollen zwischen Erwerbs- und Familienarbeit‘ referiert. Rückblickend läßt sich sagen, dass Gleichberechtigung bzw. Gleichstellung in zwei großen und langen Schritten erfolgt. Zunächst die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen und in jüngster Zeit das zunehmende Engagement von Männern in der Familie. Wesentlich hängt der Einsatz der Väter von ihren Arbeitszeiten ab. Je länger die regulären Arbeitszeiten sind, desto ungleicher ist die Care-Arbeit zwischen den PartnerInnen verteilt. Untersuchungen haben gezeigt, das Deutschland im Ranking des Gender Working Time Gap, der Unterschied der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit, an drittletzter Stelle liegt, weit hinter dem EU-Durchschnitt. D.h. Männer gehen in Deutschland durchschnittlich deutlich mehr einer bezahlten Arbeit nach als Frauen. Sie tragen i.d.R. immer noch den größten Teil der finanziellen Verantwortung für ihre Familien.

Europa – Vereinbarkeit aus der Männerperspektive: Jorge Cabrita von der European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions hat eine genaueren Blick auf die Situation in Europa geworfen. Männer in Europa leisten durchschnittlich 9 Stunden in der Woche Care-Arbeit, Frauen dagegen 26 Stunden, also fast drei Mal soviel. Allerdings sagen auch deutlich mehr Männer als Frauen, dass sie Erwerbsarbeit und Care-Arbeit schlecht bis sehr schlecht miteinander vereinbaren können. Viele Projekte, die work-life-balance zu verbessern, sind auf Frauen und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ausgerichtet. Männer stehen nur sehr selten im Fokus solcher Bemühungen.

Teilzeitmann – Ganze Männer machen Teilzeitkarriere: Ein zukunftsorientiertes Projekt aus der Schweiz. Teilzeitarbeit für Männer zu fördern ist gleichstellungspolitisch höchst relevant, so die Urheber dieses Projekts. Sie touren mit Mittagsveranstaltungen durch Unternehmen, um ihr Projekt vorzustellen. Es gibt öffentliche Veranstaltungen und es wird intensiv Medienarbeit gemacht, um zu zeigen wie förderlich eine bessere Verteilung von Arbeit ist, auch um die Lohnschere zwischen Frauen und Männern zu schließen.

Besonders begeistert hat mich, dass Luxemburg eine Ministerin für Gleichstellung hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wird sie die Gastgeberin der nächsten Konferenz in zwei Jahren sein und ich freue mich darauf, auch dann wieder dabei zu sein.

Bis dahin bleibt weiterhin viel zu tun. Ich halte eine bessere Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen für wesentlich auf dem Weg zu wirklicher Gleichstellung. Die Bekämpfung des Gender Pay Gaps muss damit Hand in Hand gehen und wir brauchen eine deutlich bessere Akzeptanz von längerer Elternzeit für Väter.

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