7. Juli 2015 – Jugendmigrationsdienste – ein Einblick

Doris Wagner zu Besuch beim Arbeitskreis Jugendmigration in München

zu Besuch beim Arbeitskreis Jugendmigration

Junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren mit Migrationshintergrund brauchen, wenn sie neu nach Deutschland kommen, oft spezielle Unterstützung, wenn es darum geht, beispielsweise ihre Schulkarriere oder ihre angefangene Ausbildung aus dem Heimatland bei uns fortzusetzen. Dazu gibt es bundesweit 431 Jugendmigrationsdienste (JMDs), die entsprechende Beratung anbieten. Sie bieten Integrationskurse, Schul- und Ausbildungssystem und Unterstützung in weiteren Bereichen, in denen gerade junge ZuwandererInnen zu kämpfen haben.

Ich wollte mehr über die Arbeit der Jugendmigrationsdienste in München erfahren und habe eine Sitzung des Arbeitskreises Jugendmigration besucht. Das Gremium, in dem sich die Dienste verschiedener Träger vernetzen und ihre Arbeit untereinander koordinieren. Beeindruckend fand ich vor allem, wie problemlos die regionale Aufteilung der Stadtviertel zwischen den unterschiedlichen JMDs funktioniert. Die 9 verschiedenen Träger haben sich das Stadtgebiet zwar in Betreuungsgebiete aufgeteilt, doch bei Umzügen der MigrantInnen oder auch bei Sprachproblemen arbeiten alle Dienste Hand in Hand, um das Maximum für ihre Klienten herauszuholen. Die Migrationsdienste können gemeinsam um die 20 Sprachen der MigrantInnen abdecken.

Einen enormen Zuwachs gibt es bei Kindern mit Migrationshintergrund unter sechs Jahren, also im Krippen- und Kindergartenalter. Hier besteht dringend Handlungs- und Regelungsbedarf, um diesen Kindern den Weg durch unser Schul- und Ausbildungssystem möglichst zu erleichtern. Unsere Gesellschaft wird vielfältiger und das ist gut so!

Jugendlichen, die nach Deutschland kommen, wird ihre Situation oft unnötig erschwert, weil nicht ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. So beträgt die Wartezeit für Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge derzeit etwa drei Monate, was gerade für Jugendliche äußerst problematisch ist. Dazu kommt, dass das in diesen Kursen unterrichtete Sprachniveau B1 für die meisten Ausbildungsplätze nicht ausreichend ist, da vielerorts meistens B2 gefordert wird. Um effektiv an begonnene Schul- und Ausbildungswege in den Herkunftsländern anzuschließen, muss das dringend behoben werden und auch B2 finanziert werden.

Mangelnde finanzielle und personelle Ressourcen stellen auch innerhalb der Migrationsdienste ein Problem dar. Es ist vorgesehen, dass ein/e MitarbeiterIn der Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) 65 Fälle betreut, de facto muss ein/e MitarbeiterIn sich aber um 200 Menschen kümmern. So hat mir eine eine MBE-Vertreterin geschildert. Das sind mehr als drei Mal so viel wie vorgesehen!

Bayern ist in Sachen Zuwanderung, bundesweit auf dem zweiten Platz, was für ein großes Flächenland wie Bayern nicht so verwunderlich ist. Im Verhältnis dazu gibt es viel zu wenige Stellen für Jugendmigrationsdienste. Dabei landet Bayern erschreckenderweise auf dem letzten Platz bundesweit. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf!

Ich habe mich sehr über die Einladung des AK Jugendmigration gefreut und bin dankbar für die Zeit, die die MitarbeiterInnen der unterschiedlichen Träger sich für mich genommen haben. Ich werde ihre dringenden Anliegen mit nach Berlin nehmen und sie an geeigneter Stelle ansprechen.

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