7. Juli 2015 – Landfrauenverband: Gespräch über Demografie

Doris Wagner mit Birgit Zipfel (Grüne Bayern) zu Besuch bei den Bayerischen Landfrauen. Vorsitzende Anneliese Göller und Geschäftsführerin Dr. Andrea Fuß.

Mit Birgit Zipfel (Grüne Bayern) zu Besuch bei den Bayerischen Landfrauen. Vorsitzende Anneliese Göller und Geschäftsführerin Dr. Andrea Fuß.

Wie können wir auch kleine Dörfer in Zeiten der demografischen Entwicklung für alle Generationen als lebenswerten Raum erhalten? Um diese zentrale Frage drehte sich mein Gespräch mit Anneliese Göller, der Vorsitzenden der Bayerischen Landfrauen, und Geschäftsführerin Dr. Andrea Fuß.

Oft ist gar kein großer Aufwand nötig, um Dörfer lebenswert und attraktiv zu machen. So schafft zum Beispiel die Umwidmung eines Löschweihers der Feuerwehr in einen Badesee einen tollen Anziehungs- und Treffpunkt. In manchen anderen Orten packen Bürgerinnen und Bürger mit Fachkenntnissen selber mit an, wenn es um den Wiederaufbau einer in die Jahre gekommenen Friedhofsmauer geht. Andernorts werden Grünstreifen unter Anleitung älterer Einwohner von den lokalen Schulklassen bepflanzt. Wichtig ist, dass die Orte lebendig sind, ein Miteinander der Generationen möglich bleibt und die Gemeinschaft gepflegt wird.

Das allein aber reicht im Internetzeitalter nicht mehr aus, um das Leben auf dem Dorf attraktiv zu halten, und vor allem auch Unternehmen eine echte Perspektive zu bieten. Deswegen habe ich mit Frau Göller und Dr. Fuß auch über das Thema Breitbandversorgung diskutiert. Hier sind wir uns einig, dass es ohne weiteren Ausbau nicht gehen wird. Eine ideale Kombination wäre es zum Beispiel beim Ausbau von Wärmenetzen Glasfaserkabel gleich mit zu verlegen. Unternehmen, die dadurch im Ort gehalten oder angelockt werden können, schaffen neue und sichere Arbeitsplätze für Einwohnerinnen und Einwohner.

Thema war auch der Vorschlag von Markus Söder, das Anbindegebot im Landesentwicklungsplan weiter zu lockern. Das Anbindegebot besagt, dass neu ausgewiesene Siedlungsflächen an bestehende anschließen müssen und soll dadurch zusammenhängende Freiflächen schützen. Dieser Vorstoß würde zu einer weiteren Zersiedelung der Landschaft führen, die Ortskerne entleeren sich und der kleine, wohnortnahe Einzelhandel würde weiter geschwächt.

Darin waren wir uns einig: Weitere Zersiedelung und zunehmender Flächenfraß muss gestoppt werden. Eindrucksvoll hat Frau Göller mir vorgerechnet, welchem Nahrungsmittel-Äquivalenten die jährlich verloren gehenden Flächen entsprechen. Ein Quadratmeter Landwirtschaftliche Fläche ergäbe etwa 15 Brötchen, ein Kilo Zucker oder auch zwei Kilo Kartoffeln. Nahrungsmittel, die besser in kleinen Läden im Ortskern verkauft werden sollten, als im 20 Autominuten außerhalb gelegenen Großmarkt.

Darüber hinaus wäre es gut, wenn die Versiegelung der Flächen wo möglich rückgängig gemacht werden könnte. Eine aktive Entsiegelung, beispielsweise von Industriebrachen wäre denkbar und wünschenswert. Leider sind solche Maßnahmen kostenaufwändig und werden daher selten durchgeführt.

Insgesamt war das Gespräch sehr interessant und hat mir einen guten Einblick in die Arbeit der Bayerischen Landfrauen geboten. Vielen Dank an Anneliese Göller und Dr. Andrea Fuß, für die Zeit, die sie sich für uns genommen hatten.

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