Diskussion in Traunstein: Wird Politik von und für „alte Säcke“ gemacht?

Diskussion mit. W. Gründinger (2. von rechts)

14. Juli 2017 – Ich diskutierte mit Jugendlichen und preisgekröntem Autor über die Perspektive junger Menschen in der Politik.

Wolfgang Gründinger hat das Buch „Alte Säcke Politik“ geschrieben“, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung als „Politisches Buch des Jahres 2017“ ausgezeichnet wurde.
Grund genug für mich gemeinsam mit dem Kreisverband und der Grünen Jugend Traunstein, ihn zu einer Diskussion einzuladen.

Gründingers These: „Den Jungen gehört die Zukunft, den Alten gehört alles Andere“

Unser Bundestagskandidat Andreas Herden leitet die Diskussion. Steffi von der Grünen Jugend erzählt, wie sie sich vor den Kopf gestoßen fühlte, als der Traunsteiner Umweltausschuss den Antrag abgelehnt habe, dass Jugendliche im Rahmen des Projekts „Essbare Stadt“ am Maxplatz ein Gemüsebeet bewirtschaften. Hannah, ebenfalls von der Grünen Jugend, ist für die Senkung des Wahlalters, denn „wenn junge Leute wählen können, können sie auch mit entscheiden“. Dem stimmt ein Gymnasiast aus Traunreut zu: „Wenn man erst ab 18 wählt, ist man schon fast aus der Schule raus und hat keine Sozialkunde mehr, darum Wahlalter 16“. Simon Hüller ist Mitglied des Jugendparlaments des Landkreises und enttäuscht über das Jugendparlament, weil seiner Meinung nach die Jungen dort gar nichts bewegen können.

Wolfgang Gründinger ist überzeugt, dass Jugendliche zur Wahl zugelassen werden sollten, sobald sie wählen können und wollen. „Doch dazu sollte der Sozialkunde-Unterricht in allen Schularten ausgeweitet werden“. Dass Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde in den Mittelschulen zu einem Fach „GSE“ zusammengefasst sind, findet Gründinger schlecht. Das sehe ich ähnlich: „Demokratie muss man lernen. Und wenn ein junger Mensch wählen will, dann soll er es auch dürfen“.

Der Traunsteiner Jugendreferent Thomas Stadler, Lehrer an einer Mittelschule, meinte, dass es sehr wohl darauf ankommt, was Lehrer aus dem Fach „GSE“ machen. Er ermutigte die jungen Leute: „Macht weiter so, mischt Euch ein“. Simon, ein Realschüler, gab zu Bedenken: „Wenn ich andere Freunde hätte, wäre ich heute politisch völlig uninteressiert“ und „Wir Jungen können etwas ausrichten, aber das muss uns jemand sagen.“ Stadt- und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner ist Berufsschullehrerin und sie konnte dem aus ihrer Erfahrung zustimmen: „Leider befassen sich viele Schüler überhaupt nicht mit Politik und wissen dann am Wahltag nicht, wen sie wählen sollen“.

Hannah findet es gut, das es in Traunstein einen demokratisch gewählten Jugendbeirat gibt, „aber ich habe das Gefühl, er bewirkt nichts.“ Helga Mandl, Grünen-Kreisvorsitzende, forderte daraufhin: „Ich möchte, dass der Jugendbeirat im Stadtrat ein Rederecht hat“. Sie berichtet von den Diskussionen im letzten Jahr über das Traunsteiner Jugendzentrum, bei dem viele Leute mitdiskutiert hätten, aber ausgerechnet die Jugendlichen nicht befragt wurden. Ein weiterer junger Diskutant spitzt das zu und fragt: „Will man überhaupt, dass die Jugendlichen sich engagieren?“

Mehrere junge Teilnehmer sind sich einig, dass junge Leute mehr an die Politik herangeführt werden sollten, denn viele hätten das Gefühl: „Was soll ich mich einbringen, wenn ich sowieso nichts bewegen kann?“ Hannah meinte zum Abschluss: „Wir Jungen müssen uns engagieren, wenn dann die Älteren auch mitmachen, dann haben beide Seiten gewonnen.“

 

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